NELLIE NASHORN

EIGEN PRODUKTIONEN

Blind date frei nach Clemens Schäfer
Junges Theater Nellie Nashorn

2005

 

 
 
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Zur Gruppe

Das Junge Theater Nellie Nashorn unter der Leitung von Birgit Vaith besteht seit 2003. Es entstand aus dem Kindertheater Nellie Nashorn, dem die jugendlichen SchauspielerInnen allmählich entwachsen waren.

Die Gruppe im Alter von 15 bis 18 Jahren trifft sich einmal pro Woche, um sich intensiv mit dem "Theaterspielen" auseinander zu setzen.

2004 war das Junge Theater Nellie Nashorn mit seiner ersten Produktion beim Internationalen Theatertreff in Lörrach und bei den Göppinger Theatertagen eingeladen.

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Zum Stück

"Spiele das Spiel. Sei nicht die Hauptperson, suche die Gegenüberstellung, sei absichtslos"

Dieses Zitat von Peter Handke ist die Motivation, die Herausforderung für das groteske Spiel des Jungen Theater Nellie Nashorn. Die Spieler auf der Bühne spielen Publikum. Sie warten auf den Beginn des Theaterstücks. Die jungen Spieler bieten sich selbst und den Zuschauern Überraschendes.

Eben ein Blind date.

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Presse

Badische Zeitung vom Mittwoch, 13. Juli 2005 

Plattform der Selbstdarstellung

VOR DER PREMIERE: „Blind Date“ im Nellie Nashorn  

Lörrach „Ich bleib so lange, bis ich was erlebe“, sagt die Theaterbesucherin entschieden. Auf das Stück, um dessentwillen sie gekommen ist, wartet sie vergeblich, und doch erlebt sie viel. Sie erlebt, wie sie mit der ungewohnten Situation umgeht, das nichts geschieht, sie erlebt, was dabei mit den anderen passiert und was mit der Gruppe. „Blind Date“ heißt das Stück nach der Vorlage von Clemens Schäfer, das sich das Junge Theater Nellie Nashorn unter der Regie von Birgit Vaith vorgenommen hat. Es ist ein Ensemble-Stück ohne Haupt- und Nebenrollen. Langsam schälen sich Individuen aus einer Gruppe heraus, in der niemand weiß, was auf ihn zukommt, und jeder anders darauf reagiert.

Die neun Spielerinnen und Spieler im Alter zwischen 15 und 17 Jahren spielen Publikum. Sie sitzen als Publikum dem Publikum gegenüber. Sie warten auf ein Stück, das nicht beginnt, mit wachsender Verunsicherung, mit Ungeduld, genervt, gelangweilt, jeder auf seine Weise. Man stiert vor sich hin, sieht auf die Uhr, schläft ein, beginnt, die überraschend übrige Zeit zu nutzen. Die Bühne, die leer bleibt, wird zur Plattform für die Selbstdarstellung. Die Gruppe löst sich in Individuen auf, formiert sich wieder zum Ensemble, das sich selbst unterhält.

Was diese Situation so alles auslöst, ist am Freitag, 15. Juli, um 20 Uhr im Kulturzentrum Nellie Nashorn zu besichtigen. Dann hat „Blind Date“, an dem jetzt noch in letzten Proben gefeilt wird, Premiere. Am Samstag, 16. Juli, wird um 20 Uhr noch einmal gespielt, dann wieder im September und bei den Lörracher Amateurtheater-Tagen.

Das Junge Theater Nellie Nashorn ist die älteste der drei Gruppen von Birgit Vaith, alle Spieler haben bereits Theatererfahrung. Im vergangenen Jahr war die Truppe mit „Der Fluch des David Ballinger“ auch bei den Göppinger Amateurtheater-Tagen zu Gast. Die neue Inszenierung entwickelte sich aus Improvisationen, Bewegungs- und Sprachspielen, Tanz und Musik. Vieles davon ist in die aktuelle Produktion eingeflossen. seh


Badische Zeitung vom Montag, 18. Juli 2005 

Das ewig ungestillte Publikum 

Das Junge Theater Nellie Nashorn hebt in „Blind Date“ die Trennung von Publikum und Bühne auf

„Zu verstehen gibt es eigentlich nichts”, resümiert Stefan (Johannes Werner) trocken, nachdem drei Viertel des Theaterstücks „Blind Date“ vorüber sind. Wie die anderen acht Spielerinnen und Spieler des Jungen Theater Nellie Nashorn ist er einerseits Zuschauer, aber gleichermaßen auch Akteur in einer Groteske ohne wirkliche Geschichte.

Die Bühne im Lörracher Nellie Nashorn funktioniert abwechselnd als Zuschauerraum für das Publikum eines Theaterstücks, welches nie beginnt, mit zunehmender Spieldauer immer öfter auch als Plattform für die Selbstinszenierung Einzelner aus dieser Gruppe. Schließlich muss die Langeweile beim Warten ja irgendwie vertrieben werden.

„Spiele das Spiel, sei nicht die Hauptperson, suche die Gegenüberstellung, sei absichtslos“: Dieses Zitat von Peter Handke, das den jungen Schauspielern als Herausforderung für „Blind Date“ diente, ist im Programmheft nachzulesen. Die wirklichen Zuschauer haben es beim Eintritt bekommen. Auch das Publikum auf der Bühne bezieht sich im Verlauf des Stückes immer wieder darauf, liest Handke wie Passagen aus dem Text über die Theatergruppe vor. Die Ebenen von Spiel und Wirklichkeit fließen ineinander.

Mit neun Stühlen ist die Bühne karg ausgestattet, und eine Handlung oder ein Spannungsbogen fehlen gänzlich. Dieser innerlichen wie äußerlichen Leere treten die Spielerinnen und Spieler mutig und selbstbewusst entgegen, füllen sie aus mit ihren Rollen, die der Autor des Stückes „Blind Date“ Clemens Schäfer und Regisseurin Birgit Vaith sie sehr frei gestalten lassen. Da ist ein desillusioniertes Liebespaar, bei dem sich beide fragen, warum sie überhaupt noch zusammen sind (Lis Volkmer, Lukas Löffler), eine feine Dame mit Hang zum Entkleiden (Alina Gross), eine schüchterne Maus (Anette Honold), zwei eher unauffällige Zeitgenossinnen (Miriam Zastrow, Magdalena Vaith) und ein Möchtegern-Mannequin (Stefanie Martini), das sich rein über Äußerlichkeiten und Mode definiert. Und ein tragisch-komischer, verhinderter Selbstmörder (Niklas Ehrentreich), der bei bestem Willen keinen Weg findet, aus dem Leben zu scheiden. Herrlich skurril, wie er sich auf einem der hinteren Stühle mit einem Strick um den Hals abmüht, während die anderen über die zersplitterte Wirklichkeit und das Theater als Spiegel der Zeit dozieren. Hatten sie ihren Auftritt, verschwinden die Individuen immer wieder in der anonymen Gruppe, aus der heraus sie als Theaterpublikum dem Theaterpublikum den Spiegel vorhalten.

Sie glotzen und demonstrieren ihre Erwartungshaltung. Keine Frage: Das Publikum will unterhalten werden. Deshalb muss Unterhaltung her, koste es, was es wolle. So wird die schüchterne Franka mit einer Pistole an der Schläfe zum „erbaulichen” Spiel gezwungen. Echte Kurzweil für das reale Publikum gibt es indessen bei einer kleinen Jonglageeinlage oder einer fetzigen Choreografie auf den Wir sind Helden-Hit „Gekommen um zu bleiben” auch.

Die schon beinahe selbstverständlich erscheinende hervorragende schauspielerische Leistung aller neun zwischen 15 und 17 Jahre alten Akteure und die Ironie, die das Ensemblestück durchwebt und immer wieder schmunzeln und lachen lässt, macht „Blind Date“ zu Unterhaltung und einem jungem Theater im besten Sinne.

Barbara Ruda
 

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Fotogalerie

Fotos von den Proben

 

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Fotos: Thomas Quartier
 

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Personen und ihre Darsteller
 
Sabine Alina Gross
Kathrin Stefanie Martini
Isabelle Lis Volkmer
Biggi Mirijam Zastrow
Franka Anette Honold
Sven Lukas Löffler
Stefan Johannes Werner
Albert Niklas Ehrentreich
Miriam Magdalena Vaith
   
Regie Birgit Vaith
Technik Florian Porsche

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Impressum

webmaster@junges-theater.eu