NELLIE NASHORN

EIGEN PRODUKTIONEN 2006



Junges Theater Nellie Nashorn

Eins auf die Fresse
nach Rainer Hachfeld
Regie: Birgit Vaith

 

 
 
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Zur Gruppe

11 Jugendliche zwischen 14 und 16 Jahren gehören dieser Gruppe des Jungen Theater Nellie Nashorn an. " Eins auf die Fresse" ist nunmehr das siebte Theaterstück
das von dieser Jugendtheatergruppe unter der Leitung von Birgt Vaith inszeniert wurde.
Die Schauspieler treffen sich einmal wöchentlich und an mehreren Wochenenden, um sich intensiv mit dem "Theaterspielen" auseinander zu setzen.

Seit März 2006 wird mit der französischen Jugendtheatergruppe "Les Hippopotames" in einer Gemeinschaftsproduktion das Theaterstück "Paris 1900" inszeniert.
Die Premiere wird im September 2006 gefeiert.

 

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Zum Stück

"Eins auf die Fresse" ist eine lebensnahe Geschichte über Gewalt an Schulen und in Familien. Die Geschichte beginnt am Grab eines Schülers, der Suizid gegangen hat und wird zum Mosaik der Verwicklungen aller Beteiligten.
Mitschüler, Lehrer und Eltern versuchen im Fall "Matze" von der eigenen Verantwortung abzulenken, Ignoranz und Verdrängung herrschen vor, die Schuld wird auf die Anderen abgewälzt. Erst als ein Neuer in die Klasse kommt, wird durch dessen Neugier und Gegenwehr ein Prozess in Gang gesetzt, der alle Beteiligten zwingt, sich mit dem Sumpf alltäglicher physischer und psychischer Gewalt auseinander zu setzen, in die alle hineingeraten sind.

 

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Presse

Die Oberbadische vom 1. Februar 2007

Ein Stück macht Schule

Ungebrochenes Interesse am kritischen Stück „Eins auf die Fresse“

Lörrach. Die Inszenierung des Jungen Theaters Nellie Nashorn, die unter der Regie von Birgit Vaith im Sommer 2006 Premiere feierte, stieß in letzter Zeit auf immer größeres Interesse bei Schülern und Lehrern. Dies war der Anstoß für das Junge Theater Nellie Nashorn, nun auch an die Schulen zu gehen und ihr Stück vor Schulklassen zu präsentieren.
So wird „Eins auf die Fresse" nun am 1. Februar für die Schüler des Hans Thoma Gymnasiums und der Realschule Weil in der Aula des Hans-Thoma-Gymnasiums gezeigt. Für die Schüler der Haupt- und Realschule Laufenburg findet die Vorstellung am 26. Februar statt.
An den Schulen wird „Eins auf die Fresse" als Einstieg oder Fortführung in das Thema Gewalt dienen. Opfer und Täter werden in vielschichtigen Szenen des Theaterstücks von verschiedenen Standpunkten beleuchtet und können so in den Diskussionen nicht nur unter schwarz -weiß Aspekten betrachtet werden.
Mit „Eins auf die Fresse" hat sich das Junge Theater Nellie Nashorn im vergangenen Jahr auf die beklemmende Spurensuche nach den Ursachen für Gewalt an Schulen und in Familien gemacht.
Die Geschichte beginnt am Grab eines Schülers, der Suizid begangen hat, und wird zum Mosaik der Verwicklungen aller Beteiligten (wir berichteten ausführlich).
Die außergewöhnliche Bühnenpräsenz und das authentische Spiel der jungen Schauspieler war für viele Zuschauer Anlass, im Anschluss an die Aufführungen das Gespräch untereinander und mit den Spielern zu suchen. Die Realschule Weil hat zu ihrer Aufführung auch die Eltern eingeladen, um im Anschluss gemeinsam mit ihren Kindern, den Lehrern und den Schauspielern zu diskutieren.


OV vom  20. Juli 2006 

Chronik einer verhängnisvollen Spirale

„Eins auf die Fresse“: Junges Theater Nellie Nashorn beschäftigt sich mit dem Thema Jugendgewalt

Von Michaela Wassmer

Tatort Schule- „Eins auf die Fresse" beginnt am Grab eines Schülers, der Selbstmord begangen hat. Mitschüler, Lehrer und Eltern weisen im „Fall Matze“ jegliche Verantwortung von sich. Verdrängung, gegenseitige Schuldzuweisungen und Ignoranz regieren. keiner scheint sich mit diesem Tod, der sich in der Schule durch Mobbing und gewalttätige Übergriffe angekündigt hat, mit dieser Spirale aus Demütigung und Missachtung auseinanderzusetzen.

Als Sven nun neu in die Klasse kommt, offenbart sich dem Zuschauer und den Akteuren die verhängnisvolle Maschinerie physischer und psychischer Gewalt. Das Schlimmste: Matzes Schicksal droht sich zu wiederholen.

Mit Ihrem neuesten Stück nach der Vorlage von Rainer Hachfeld begibt sich die aus elf Jugendlichen zwischen 14 und 16 Jahren bestehende Gruppe des Jungen Theater Nellie Nashorn auf eine beklemmende Spurensuche nach den Ursachen für Gewalt an Schulen und in Familien.

„Eins auf die Fresse", ein Theaterstück für Zuschauer ab zwölf Jahren, wurde vergangenen Freilag und Samstag im Nellie Nashorn gespielt.

Keine Frage, es wird ernst und weniger märchenhaft im Repertoire dieser Jugendtheatergruppe. Eine Entwicklung, die sich bereits mit „Molly Moon“ angekündigt hat, erzählt Regisseurin Birgit Vaith.

„Eins auf die Fresse", übrigens das siebte Theaterstück, das die Regisseurin mit dieser Gruppe inszeniert hat, ist laut Vaith „ein richtiges Jugendtheaterstück mit einem aktuellen Thema, das uns interessiert“.

Die Vorlage wurde bearbeitet, Hachfelds heute angestaubte Jugendsprache modernisiert. Im Laufe der Proben haben sich die jungen Darsteller intensiv mit dem Thema Gewalt an Schulen auseinandergesetzt, was Vaith als Theaterpädagogin besonders begrüßt.

Nicht nur die Spieler, auch die Zuschauer fühlten sich vom Sujet berührt. Die Premiere fand vor vollem Haus statt. „Diskussionsstoff in Massen“ war auch nach der Vorstellung bei der Premierenfeier vorhanden, was nicht zuletzt an der Fähigkeit der Gruppe lag, Prozesse auf der Gefühlsebene des Publikums in Gang zu setzen. Gleich der Prolog, in dem die Spieler eine nonverbale Mobbingszene zeigen, sorgt für Gänsehaut. Die Darsteller bewegen sich auf der Bühne,  irgendwann richten sich alle Blicke auf einen, der durch diese unheimliche Gruppendynamik buchstäblich ausgeschaltet wird. Die Kulisse wird mit Würfeln inszeniert, die durch Ihr aggressives Rot vornehmlich In den brutalen Szenen wirken.

Einige der Jungenrollen wurden methodisch mit Mädchen besetzt. Der gewalttätige Lucky wird von Mathilde Leibfried gespielt. Marlene Meißner gibt Sven, den Neuen. Die Regisseurin war überrascht, „wie authentisch sich die Mädchen in die Rolle hineinbegeben". wie gekonnt sie diesen „mentalen Kraftakt" meistern. Die Darstellung der Erwachsenen hingegen ist bewusst stilisiert und stark übertrieben. „Sie werden ins Klischee gezogen Deshalb arbeiten wir auch mit Versatzstücken. Vom Anzug bleibt zum Beispiel nur ein Revers."

Birgit Vaith ist mit der schauspielerischen Leistung und Bühnenpräsenz ihrer Darsteller mehr als zufrieden: „Es war grandios, was sie auf der Bühne geleistet haben."

Die Inszenierung erschöpft sich nicht in einer Anatomie der Gewalt. „Wir brechen das Stück durch humorvolle Szenen, sonst wäre es wahrscheinlich unerträglich." Während der Sohn von seinen Problemen an der Schule erzählt, widmet sich der Vater, ein begeisterter Hobbykoch, den Töpfen. „Das ist eine sehr witzige Szene, obwohl sie eigentlich zum Heulen ist.“ Auch eine zarte Liebe entwickelt sich. Traurigkeit, Poesie, Gewalttätigkeit und Humor - alles ist drin in dieser Inszenierung. Nur nicht der moralische Zeigefinger der Vorlage. „Auf Schwarz Weiß Malerei und einseitige Schuldzuweisungen verzichten wir.“

Das Junge Theater Nellie Nashorn führt „Eins auf die Fresse" auch gerne an Schulen auf. Interessierte Lehrer können sich unter Tel. 07621/166101 informieren.


Badische Zeitung vom Mittwoch, 19. Juli 2006 

Szenen alltäglicher Gewalt 

Das Junge Theater Nellie Nashorn zeigt Rainer Hachfelds "Eins auf die Fresse"

Jugendliche treffen sich an einem Grab. Mathias Erbach wurde hier beerdigt, genannt Matze, und zum Schluss von allen nur noch als "Matze der Stinker" verspottet — sogar jetzt noch, wo er tot ist. Der Ton macht die Musik, und hier ist es eine gnadenlose Jugend-, besser gesagt Gossensprache, die einen schon an diesem frühen Zeitpunkt des Theaterstücks ahnen lässt: Da wurde einer terrorisiert und in die Enge getrieben, bis er keinen Ausweg mehr wusste als den Suizid. Eine Collage von Szenen wirft nach und nach Licht auf die Hintergründe dieser Verzweiflungstat. In Rainer Hachfelds "Eins auf die Fresse" geht es um die alltägliche Gewalt an der Schule und um Mobbing und was das mit jungen Menschen anstellt. Damit hat das Junge Theater Nellie Nashorn in seiner neusten Inszenierung ein hochaktuelles Thema aufgegriffen.

Um es vorwegzunehmen: Den elf Spielerinnen und Spielern gelingt unter Regie von Birgit Vaith eine grandiose Leistung. In den dem Schüleralltag entlehnten Dialogen wird der Zwang zum Cool-Sein und sei es durch Gewalt und die Angst als Versager zu gelten, hervorragend herausgearbeitet. Beklemmend echt sind die Szenen unter den Achtklässlern, die auf einer humorvollen Ebene gebrochen werden. Am zugespitzten zu erleben in dem Bild, in dem Lucky, der Leitwolf in Sachen Terror und Erpressung, zu Hause seinen Schmusebär niederknüppelt und "tötet" , während im Fernsehen ein Boxkampf läuft. Die klischeehaften Kommentare des Reporters kommen so witzig daher, dass der Zuschauer hin- und hergerissen ist zwischen Betroffenheit und Lachen.

Lucky wird übrigens wie der Neue in der Klasse Sven von einem Mädchen gespielt. Umso erstaunlicher ist die Authenzität: Mathilde Leibfried wechselt die Seite so perfekt, dass man ihr ohne Zögern den Pubertierenden abnimmt, dessen Leitspruch "Wer mir blöd kommt, kriegt eins auf die Fresse" ist. Marlene Meißner spielt als Sven den männlichen Gegenpart, der, bevor er selbst Opfer wird, durch Nachhaken — "Was, vor zwei Wochen hat sich Matze umgebracht, und da macht ihr einfach so weiter?" — einen reinigenden Prozess in Gang setzt.

Zwei aus der Clique, großartig dargestellt von Maren Hätty (Lana) und Petra Jeroma (Minnie), machen bei den Einschüchterungsversuchen halbherzig mit oder schauen teilnahmslos zu. Dass die Täter auch Opfer sind, zeigt sich in den Dialogen von Jugendlichen mit Müttern oder Vätern und Lehrer Ratzenauer (Leonie Reissner). Die Schwierigkeit, in Erwachsenenrollen hineinzuschlüpfen, umschiffen die Spieler, indem ihre Kostümierung bruchstückhaft bleibt. Auch wenn Philip Honold als kochender Vater Sommerland eine hinreißende, lachmuskelkitzelnde Vorstellung gibt, steckt dahinter die Unfähigkeit, zuzuhören. Statt sich seinem Sohn Sven mit seinen Nöten zuzuwenden füllt er ihn mit Alkohol ab.

Zerstörte Strukturen in den Familien (in weiteren Rollen Franziska Mohr, Swenja Müller, Kirsten Quartier und Amelie Tittel) und eine Schule, die der Realität hinterherhinkt (Jonas Huth als Rektor) werden in "Eins auf die Fresse" als Nährboden ausgemacht, auf dem Verletzung, Erniedrigung und Gewalt gedeihen. Die gelungene Mischung von brisantem Stoff und theatralischem Vergnügen in einer nur aus ein paar Holzquadern bestehenden Kulisse begeisterte das Premierenpublikum im Lörracher Nellie Nashorn so, das es die Gruppe am Ende frenetisch bejubelte.

Barbara Ruda


Badische Zeitung vom Mittwoch, 12. Juli 2006 

Im Sumpf täglicher Gewalt 

LÖRRACH. Vor der Premiere: Rainer Hachfelds "Eins auf die Fresse" mit dem Jungen Theater Nellie Nashorn

Von unserer Mitarbeiterin Barbara Ruda

LÖRRACH. Das Junge Theater Nellie Nashorn feiert am Freitag eine weitere Premiere. Gezeigt wird "Eins auf die Fresse" von Rainer Hachfeld, eine lebensnahe Geschichte über Gewalt an Schulen und in Familien.

In der Zeit der Suche nach einem neuen Stück war das Thema Gewalt unter Kindern und Jugendlichen plötzlich tagesaktuell. Man musste bloß eine Zeitung aufschlagen, um darüber zu lesen. Deshalb fiel die Wahl der elfköpfigen Gruppe dieses Mal auf ein fertiges Theaterstück aus der Reihe "Spielplatz" . Schnell habe man festgestellt, erzählt Theaterpädagogin und Regisseurin Birgit Vaith, dass es in dem Stück teilweise ganz schön haarig zugeht, und dass die zwischen 14 und 16 Jahre jungen Spielerinnen (9) und Spieler (2) in ihrem näheren Umfeld noch nie mit Gewalt in diesem Ausmaß konfrontiert worden sind. Sie fragten: "Ist das nicht übertrieben dargestellt?" , und dachten darüber nach, ob sie hier etwa auf einer behüteten Insel leben.

"Klasse, wenn Theaterarbeit sowas provoziert" , findet Birgit Vaith. Denn beim Theaterspielen passiert die Auseinandersetzung mit einem Thema auf allen Ebenen. Wenn man sich darauf einlässt, es zu bespielen gibt es neben dem ernsten Gespräch auch sehr witzige Seiten, die sich dann in ebensolchen Szenen Bahn brechen. Deshalb, und weil das Stück sehr moralisch daherkam — es wurde Ende der 90er-Jahre geschrieben — verwandelte die Gruppe es während der Probearbeit bis es passte. Wie gehen wir an die Geschichte heran? Müssen wir Klischees bedienen oder brechen? Das Ausprobieren des Wegs war spannend.

Mittlerweile, und das freut Birgit Vaith sehr, weil es der Erfolg ihrer kontinuierlichen Arbeit ist, sind die Spieler selbstständig geworden. Daraus schöpfen sie ganz viel Kreativität, was sich auch in den Improvisationen bemerkbar macht. "Sie können, was sie gelernt haben, umsetzen und Dinge mitentwickeln, und sie machen mir Angebote. So soll Jugendtheater sein." Durch die Auseinandersetzung mit dem Thema können die Jugendlichen jetzt anders mit Gewalt umgehen. Und dadurch, dass sie im Spiel die Seiten wechseln — zwei Mädchen spielen Jungs, einer davon mit einer immensen Brutalität — waren die Erfahrungen noch intensiver.

Die Geschichte beginnt am Grab eines Schülers, der Selbstmord begangen hat, und wird zum Mosaik der Verwicklungen aller Beteiligten. Mitschüler, Lehrer und Eltern versuchen im Fall "Matze" von der eigenen Verantwortung abzulenken. Erst als ein Neuer in die Klasse kommt wird durch dessen Neugier und Gegenwehr ein Prozess in Gang gesetzt, der alle Beteiligten zwingt, sich mit dem Sumpf alltäglicher psychischer und physischer Gewalt auseinander zu setzen, in den sie hereingeraten sind. Das Stück ist ab 12 Jahren geeignet.
 

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Fotogalerie

 

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Fotos: Thomas Quartier
 

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Personen und ihre Darsteller
 
Lana Maren Hätty
Herr Sommerland, Fernsehsprecher, Jugendlicher Philip Honold
Dr. Förster, Jugendlicher Jonas Huth
Minnie Petra Jeroma
Lucky Mathilde Leibfried
Sven  
Frau Rommers, Frau Blohme, Jugendliche Franziska Mohr
Herr Kunewski, Jugendlicher Kirstin Quartier
Herr Ratzenauer, Jugendliche Leonie Reissner
Frau Erbach, Jugendliche Amelie Tittel
   
Regie Birgit Vaith
   
Musik Alexander Wissing
Licht- und Musiktechnik Magdalena Vaith
Kostüme Madlen Honold
Bühnenbau Florian Porsche
Plakat und Programm Lukas Löffler
Frisuren und Maske Katja Löffler
 

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Impressum

webmaster@junges-theater.eu