NELLIE NASHORN

EIGEN PRODUKTIONEN

Die Grenze / La Frontière

deutsch-französisches Theaterprojekt
"Les Hippopotames" & das "Junge Theater Nellie Nashorn"
2008
 

 
 
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Presse

Der Sonntag vom 28.9.08

Preiswürdiges Projekt

Streit ums Gräbengraben und Sockentragen: „Die Grenze“ in Lörrach

Haben wollte diese Grenze im Prinzip ja niemand. Aber irgendwie ist es passiert. Jetzt trägt der Nervenkrieg zwischen den verfeindeten Parteien diesseits und jenseits immer neue und absurdere Früchte. Der ständig wachsende Schilderwald zählt dazu, der immer gerade das verbietet, was der Gegner eben erst anfangen will: das Rauchen natürlich, aber auch das Apfelessen, das Gräbergraben und Sockentragen. Da ist nur folgerichtig, dass, wenn einen gerade der Schlag trifft, gleich ein anderer das passende Schild hochhält: Sterben verboten.
Rache und Bosheit kommen zuerst, das Nachdenken später. „Die Grenze“ ist eine Koproduktion des Jugendtheaters Nellie Nashorn mit der französischen Truppe Les Hippopotames und hatte gerade im Alten Wasserwerk Lörrach Premiere. Aus dem anfangs noch spaßigen Necken eines höchst ungewöhnlichen Pärchens beim Taubenfüttern wird auf der Bühne eine Endlosschleife gegenseitiger Aggression. Für den eigentlich zentralen Konflikt sind sie dennoch nur Rahmenhandlung. Entstanden ist alles aus einem Todesfall bei einem eingangs wild miteinander gefeierten Fest. Fiel da
nicht ein Schuss? Aber nicht um die Ursache wird es schließlich gehen, sondern um einen Sockendiebstahl. Zwei Parteien entstehen, die Totengräber und die „Socken“.
So absurd wie das Sujet, so gnadenlos übertrieben ist auch seine schauspielerische Umsetzung. Jede Bewegung steigern die Darsteller ins absolute Übermaß und Mimik ist Trumpf. Das Stück könnte ebenso gut als stumme Produktion über die Bühne gehen, Sprache hilft nur hier und da nach und bringt den einen oder anderen zusätzlichen Effekt. „Die Grenze“ ist schon die zweite Koproduktion der Lörracher mit den französischen „Nilpferden“ Entstanden ist das Stück, das im Mai im lothringischen Hettange Premiere feierte und jetzt erstmals auch in Lörrach zu sehen war, aus Improvisationen und eigenen Ideen der 15 beteiligten Schauspieler zwischen 13 und 19 Jahren.

Die Idee zu der deutsch-französischen Zusammenarbeit hatten die Regisseure Birgit Vaith und Leo Turon anlässlich einer Begegnung beim Lörracher Theaterfestival, bei dem Turons Haupttruppe Le Troupô schon mehrfach zu Gast war. Deren Handschrift ist in der „Grenze“ jetzt deutlich zu lesen, gehört doch das auf die Spitze Treiben jeder Aktion zu den Spezialitäten der Franzosen. Gerade die extreme Übertreibung löst aber jeden pädagogischen Holzhammereffekt auf. Wenn da etwa Socken- gegen Sargträger antreten und Sätze kreieren wie: „Lieber sterbe ich als mich von einem Ausländer beerdigen zu lassen“, dann nehmen sie Grenzen im Kopf und Fremdenfeindlichkeit subtil und holzschnitthaft elegant auf die Schippe.
Wen kann es da wundern, dass die Truppe mit ihrem ersten gemeinsamen Stück („Paris 1900“) schon einen deutschen und einen französischen Theaterpreis gewonnen hat? Mehr als preisverdächtig ist auch „Die Grenze“ und weckt die Vorfreude auf die dritte Eigenproduktion. Sie steht in den Startlöchern.

ANNETTE MAHRO


BZ vom 27.09.2008

Stafette mit Totengräber-Schaufel

"Die Grenze" mit dem Jungen Theater Nellie Nashorn und Les Hippopotames feiert im Alten Wasserwerk Deutschlandpremiere

Von unserer Mitarbeiterin Barbara Ruda


LÖRRACH. Am Donnerstagabend erlebte die zweite gemeinsame Produktion des Jungen Theater Nellie Nashorn und Les Hippopotames aus Lothringen im Alten Wasserwerk ihre Deutschlandpremiere. "Die Grenze" ist ein wildes, aufregendes Spiel zwischen zwei Familien, die sich zuerst gut vertragen, durch einen tragischen Vorfall während eines Festes aber schrecklich verfeinden. Das Premierenpublikum ließ sich begeistern.

Die "Socken" — ein kunterbuntes Phantasievölkchen — und die Totengräber, die so genannten "Tots" , feiern ausgelassen zusammen. Plötzlich fällt einer der Socken tot um. Das ist der Beginn für die Grenze, die auf der Bühne ein Bretterzaun mit einer deutlich markierten Trennlinie in der Mitte sichtbar macht. Dass damit nicht bloß eine Staatsgrenze gemeint ist — wie auch, schließlich werden die beiden Familien über die Sprachgrenzen hinweg gemischt von Franzosen und Deutschen gespielt — wird schnell klar. Die beiden Parteien grenzen sich auch innerlich voneinander ab, holen alte Vorurteile und den Groll vergangener Zeiten wieder hervor und verbieten voller Hass kurzerhand alles, was noch verbinden könnte.


Eine Parade von Verbotsschildern macht die Absurdität dieser totalen Abgrenzung sichtbar: Apfel essen: verboten, Tauben füttern: verboten, Lieben: auch verboten, und am Ende sogar das Sterben. Überhaupt arbeiten die jungen, engagierten Schauspieler aus den Ensembles von Birgit Vaith und Leo Turon auch in ihrer zweiten gemeinsamen Inszenierung wieder viel mit Bildern, die teils ziemlich drastisch sind, denen auf der anderen Seite aber auch viel Humor inne wohnt. Da wird eine Schaufel wie ein Stafettenstab weitergegeben und von einem Tot nach dem anderen schweren Schritts über die Bühne getragen — ein starkes, ambivalentes Symbol. Mit einer Schaufel kann man beides: Gräben ausheben, aber auch Schlupflöcher schaffen.

Und genau Letzteres beginnen jetzt manche. Weil es ihnen mit der Grenze viel schlechter geht als vorher, tun sich immer mehr Socken und Tots zusammen und kämpfen als Partisanen. Wie bei einem Puzzle werden viele Steinchen zusammen gesetzt, um die Begriffe "Grenze" und "Widerstand" zu umschreiben.

Fast pausenlos sind die jungen Frauen und Männer dabei in Bewegung, agieren solo, im Duett oder in der Masse. Natürlich wird in dem Stück auch gesprochen — bei den Aufführungen in Deutschland auch von den Franzosen in Deutsch, doch steht die Worte gar nicht im Vordergrund. Viel stärkeren Wert legt die Gruppe auf den Ausdruck, sowohl den des ganzen Körpers als auch den des Gesichts. Großartig, wie vor allem die Tots ihre Gesichtszüge entgleisen lassen und wie das manchmal und durchaus gewollt in Grimassenschneiden ausartet.

Als Zuschauer kann man dem roten Faden in den schnell wechselnden Szenen mühelos folgen. Mit Vorfreude erwartet man den nächsten überraschenden Regie-Einfall. Von A bis Z ist das Bühnengeschehen in eine präzise Choreographie gegossen. Und es ein Happy End gibt es auch noch. Das Stück endet, wie es begonnen hat — in einer Zeit des Friedens, ohne Grenze.


Die Oberbadische vom 27.9.08

Grenzen im Kopf überwinden

Eine Warnung des Jungen Theaters Nellie Nashorn

Von Dorothea Gebauer

Lörrach. Dass mit wenigen Worten viel Aussagekräftiges transportiert werden kann, macht der Auftritt des Jungen Theaters Nellie Nashorn mit dem französischen Ensemble „Le Troupô“ unter der Leitung von Birgit Vaith im Alten Wasserwerk deutlich.

Das Schauspiel konzentriert sich auf wenige, grobe Handlungsstränge, die zwar eine Geschichte erzählen, aber Interpretationsspielräume lassen. Thema des wirbelnden und äußerst energiegeladenen Geschehens ist auf der Meta-Ebene das, was Grenze und Selbstbeschränkung im menschlichen Miteinander ausmachen. Die konkrete Umsetzung gelingt darüber, dass Dünkel, Misstrauen, Verschlagenheit wunderbar skurril und schräg in den Gesichtern zu lesen sind. Jeder übernimmt seinen Part darin, den Fluch, der über der Gemeinschaft liegt, ganz grandios - mal ganz stumm, mal lärmend und laut - zu spiegeln. Die Figuren wirken kaputt, hinterhältig, schrill und schräg. Immer züngelt Gewalt, lodert Hass, herrscht hektisches Treiben.

Minimalistisch der Einsatz von Requisiten, choreographisch nirgends überbordend, überzeugt die Truppe umso mehr mit durchgängig gehaltener Konzentration, Leidenschaft und großem Spaß am Spiel. Holzschnittartig entfaltet sich das Milieu in einem Dorf, in dem sich nach einem tragischen Vorfall eine Grenze auftut, hinter die niemand zurückgehen mag. Ein Vorfall, eine Bagatelle lähmt die Gemeinschaft, ist Trauma, Vorwand, Nähe und Begegnung um jeden Preis zu vermeiden. Die Erstarrung löst sich innerhalb des Spiels auf - da sind die wenigen, die den Teufelskreis durchbrechen. Ein Lächeln, ein Lied, Solidarität macht sich breit. Ein ganz und gar lebhaftes, ein mutiges und unterhaltsames Stück gegen Lähmung, Borniertheit und Selbstgefälligkeit. Ein Plädoyer für Großzügigkeit und Menschlichkeit. Dass es von französischen und deutschen Jugendlichen gemeinsam erarbeitet gespielt wurde, macht das Stück erst recht glaubwürdig.


Die Oberbadische vom 24.9.2008

Ein Stück über „Die Grenze“

Gemeinsames Projekt von „Junges Theater Nellie Nashorn“ und „Le Troupô“

Lörrach (ham). Nach dem ersten gemeinsamen Theaterstück „Paris 1900“, das nach wie vor in Frankreich, Deutschland und in der Schweiz aufgeführt wird, haben die beiden Theatergruppen „Junges Theater Nellie Nashorn“ und „Le Troupô“, die sich zu „Les Hippopotames“ (Die Nilpferde) zusammengeschlossen haben nun ein neues Werk in Angriff genommen. „Die Grenze/La Frontière“ ist der Titel dieser deutschfranzösischen Theatereigenproduktion der 15 Jugendlichen im Alter zwischen 13 und 19 Jahren sowie ihrer Regisseure Nicolas „Léo“ Turon und Birgit Vaith. Entstanden ist ein burleskes, freches und aufregendes Theaterstück, das bei der Premiere am 16. Mai im französischen Hettange [...] vom Publikum begeistert aufgenommen wurde.

„Die Grenze“ wird jetzt am Donnerstag, 25. September, 20 Uhr, als Deutschlandpremiere und zusätzlich am Freitag, 26. September, 9.30, 11 und 20 Uhr im Alten Wasserwerk in Lörrach zu sehen sein. Das Kerngerüst des Stücks konzipierten Vaith und Turon gemeinsam. Die detaillierte Auseinandersetzung mit den Charakteren gaben sie dann in die Hände der Gruppe. Durch Improvisation wurde ein Stück definiert, dass sich mit der Thematik der Grenzerfahrung und Grenzüberschreitung auseinandersetzt. Die Regisseure legen Wert darauf, dass es letztlich um innere Hindernisse und Hemmungen geht, die es zu überschreiten gilt. Inhaltlich handelt das Stück, dass als eine Art Gleichnis konzipiert wurde, von zwei Familien in einem Dorf, die sehr verschieden sind. Trotz ihrer Gegensätzlichkeit kommen sie zunächst gut miteinander aus, bis ein unerwarteter Tod eine Grenze entstehen lässt. Im Verlauf des Stücks steigert sich die Grenzziehungshysterie. Gesetze werden erlassen, die verbieten, Tauben zu füttern, verliebt zu sein und die Grenze zu passieren; selbst das Sterben steht schließlich als unerlaubt auf dieser absurden Liste. Irgendwann regt sich jedoch in beiden Familien ein Widerstand. Es kommt zu Schmuggel, Sabotage und Bestechung - die Grenze wird überschritten.

Der Eintritt beträgt für Jugendliche 5, für Erwachsene 8 und für Gruppen und Klassen 30 Euro; weitere Infos: www.letroupo.com , www.nellie-nashorn.de


BZ vom 24.09.2008

Junge Schauspieler wollen Grenzen einreißen im Kopf

Theaterstück "Die Grenze/La Frontière" von "Junges Theater Nellie Nashorn" und "Les Hippopotames" hat am Donnerstag Premiere

LÖRRACH (rud). Die zweite gemeinsame Produktion des "Jungen Theater Nellie Nashorn" und "Les Hippopotames" aus Frankreich ist ein Theaterprojekt, das sowohl räumlich als auch thematisch Grenzen überschreitet. Folgerichtig heißt es "Die Grenze/La Frontière" . Nachdem das Stück im Mai in Frankreich zuerst erfolgreich Premiere gefeiert hat und seitdem mehrmals jenseits der Grenze aufgeführt wurde, überschreitet es jetzt die Grenze. Die deutsche Premiere geht am Donnerstag, 25. September, um 20 Uhr im Alten Wasserwerk über die Bühne.

Anders als beim Vorgänger "Paris 1900" vor zwei Jahren gibt es von "Die Grenze" zwei Versionen, was vor allem dem Mehr an Text geschuldet ist. Bei der ersten Zusammenarbeit wurden durch eine Geschichte verbundene Szenen noch vornehmlich pantomimisch vorgetragen. Die Franzosen, so berichtet Regisseurin Birgit Vaith, die das Grundkonzept für das Stück mit ihrem französischen Kollegen Leo Turon ausgebrütet hat, sprächen auf jeden Fall mehr Deutsch als umgekehrt.

Das Schlagwort "Grenze" gab der 15-köpfigen Gruppe die grobe Basis, auf der sie das Gleichnis eines Dorfes mit zwei gegensätzlichen Familien aufbaute. Eine Tragödie macht sie plötzlich zu Feinden. Das ist der Beginn für eine Grenze, die im Laufe des Stücks immer weiter ausgebaut wird, bis niemand sie mehr passieren darf. Reizvoll ist die Mischung, die viel Dynamik in die Arbeit gebracht hat: Die beiden Familien, die schon äußerlich unterschiedlich daherkommenden bunten "Socken" ("Chausettes" ) und die schwarz gekleideten "Tots" ("Croquemorts" ), sind nämlich jeweils mit Spielern sowohl aus Frankreich, als auch aus Deutschland, also nationenübergreifend besetzt. In dem Theaterstück sind beide Gruppen um ein baldiges Ende der Grenze bemüht, die aber nicht nur materiell gemeint ist, sondern im übertragenen Sinn auch für innere Blockaden oder Barrieren steht.


BZ vom 19.06.2008

Grenzen abbauen beim gemeinsamen Theaterspiel

Kooperation zwischen Lörracher und französischer Gruppe

LÖRRACH (BZ). Sowohl räumlich als auch thematisch ist die zweite gemeinsame Produktion des "Jungen Theater Nellie Nashorn" und "Les Hippopotames" aus Frankreich ein Theaterprojekt, das Grenzen überschreitet. Es heißt "Die Grenze/La Frontière“ .

Wie schon 2006 haben die beiden Ensembles eine Koproduktion auf die Beine gestellt und am 16. Mai in Frankreich erfolgreich Premiere gefeiert. Das Grundkonzept für das erarbeitete Stück haben die beiden Regisseure, Leo Turon und Birgit Vaith, ausgebrütet. Die genaue Erarbeitung der kompletten Geschichte, der einzelnen Figuren und der Szenen haben sie aber in die Hände des gesamten Teams gelegt. Dabei sind sie ähnlich vorgegangen wie bei "Paris 1900", der ersten Koproduktion der Gruppen - auch wenn dieses, anders als das aktuelle Projekt, aus vornehmlich pantomimisch vorgetragenen und nur grob durch eine Geschichte verbundene Szenen bestand. Diese wurden in Improvisations- und Brainstorming-Runden erarbeitet.


Dieses Mal war das Schlagwort "Grenze" die grobe Basis, auf der sich das Gleichnis eines Dorfes mit zwei gegensätzlichen Familien aufbaut. Die Familien kommen zunächst gut miteinander aus. Eine Tragödie macht sie plötzlich zu Feinden. Dabei sind die Gruppen, genannt "Socken" oder "Chausettes" und "Tots" beziehungsweise "Croquemorts", jeweils mit beiden Nationalitäten besetzt. Diese Unterteilung habe viel Dynamik in die Arbeit gebracht, erzählt die "Socke im Widerstand" , Kirstin Quartier. Man habe viel zusammen geprobt innerhalb der "Familie" und einen gewissen Stolz entwickelt - internationale Identifikation über ein Stück Fußbekleidung sozusagen. Trotzdem sei natürlich keine echte Spaltung erfolgt. Auch im Stück sind beide Gruppen um ein baldiges Ende der Grenze bemüht, nachdem sie bemerken, wie sehr sie einander brauchen. Parallelen zu konkreten realen Grenzen und echten Entwicklungen suchten Birgit Vaith und ihr Französischer Kollege Turon dabei aber nicht. Überhaupt seien nicht nur materielle Barrieren gemeint, sondern auch innere Blockaden und Hindernisse.

Anders als bei "Paris 1900" gibt es zwei Versionen des Stücks, was aus dem Mehr an Text resultiert. Dabei sprechen die Franzosen mehr Deutsch als umgekehrt. In den Genuss der deutschen Fassung kommt das Lörracher Publikum erst im September, wenn mehrere Aufführungen der Französischen Version hinter den Ensembles liegen. Dann wird "Die Grenze" im Nellie Nashorn zu sehen sein.


BZ vom 04.03.2008

Grenzerfahrungen der bunten Socken und der "Croques morts"

Erstes Probenwochenende im Nellie Nashorn für das zweite gemeinsame Theaterprojekt von Jugendlichen aus Lörrach und Lothringen: "La frontière - die Grenze"

Von unserer Mitarbeiterin Barbara Ruda

LÖRRACH. Die Jugendlichen sprechen Französisch oder Deutsch - je nachdem, in welcher Sprache es gerade die besseren Wörter gibt. "Mehr oder weniger verstehen alle mehr oder weniger gut" , sagt Birgit Vaith, und fügt nach kurzem Nachdenken hinzu "vielleicht 98 Prozent" . Zusammen mit Leo Turon studiert die Lörracher Theaterpädagogin die zweite gemeinsame Inszenierung des Jungen Theater Nellie Nashorn mit "Les Hippopotames" aus Frankreich ein. Nach den ersten beiden Arbeitsphasen im Nachbarland probte die 15köpfige Gruppe am Wochenende erstmals in Lörrach - eine spannende Angelegenheit für beide Seiten.

Ungefähr die Hälfte des neuen Stücks "La frontière - Die Grenze" steht schon. Das ist der grobe Rahmen, die feinen Maschen dazwischen werden während des Arbeitsprozesses nach und nach geknüpft. Wiederum handelt es sich um eine Eigenproduktion, deren Szenen mit einem anfänglichen Brainstorming und anschließenden Improvisationen gemeinsam erarbeitet wurden.

Schon anhand der Kleidung der Spieler bei der Probe im Nellie Nashorn wird offensichtlich, dass in dem Stück zwei unterschiedliche Gruppen agieren: die "Socken" , das ist ein kunterbuntes Phantasievölkchen, und die schwarzen "Croques Morts" , die die Toten in die Zehen beißen um festzustellen, ob sie wirklich tot sind. Besetzt sind diese beiden Gruppen jedoch gemischt mit Franzosen und Deutschen. Zu Beginn leben sie, obwohl sie so verschieden sind, in Harmonie - bis bei einem Fest einer zu Tode kommt. Das ist der Beginn für eine Grenze, die im Laufe des Stücks immer weiter ausgebaut wird: eine Grenze wie zwischen zwei Nationalstaaten, im übertragenen Sinn aber auch eine innere Grenze. Wie es an einer Grenze so ist, werden die Verbote immer absurder - eine Schilderparade zeigt es an. Tauben füttern, die Liebe, ja sogar das Sterben sind nicht gestattet, und passieren darf die Grenze niemand mehr. Auf beiden Seiten wird immer stärker versucht, dieses System auszutricksen, die "Résistance" wächst. Die jungen Spieler haben da alles hineingepackt, was sie aus der Geschichte des Widerstandes kennen: Schmuggel, Sabotage, Bestechung. Eine Schaufel ist ein starkes Symbol, das beides bedeuten kann: Gräben auszuheben und einen Durchschlupf zu schaffen.

Zwei Jahre ist es her, dass die beiden Gruppen aus Lörrach und Lothringen, nachdem sie sich bei den Theatertagen kennengelernt hatten, ihre Zusammenarbeit begonnen haben. Und wie profitieren sie von der gemeinsamen Theaterarbeit? "Wir stellen uns diese Frage eigentlich gar nicht mehr" , antwortet Kirsten. "Für uns ist es normal geworden, wie in einer Familie. Wenn wir hier zusammen sind, ist die Arbeit seriöser, konzentrierter, weil man durch die Sprachbarriere immer am Ball bleiben muss. Der begrenzte Zeitraum bewirkt auch, dass man sich zusammenrauft und ihn möglichst optimal nutzen will." Pauline aus Frankreich fügt hinzu: "Man profitiert auch von den verschiedenen Arbeitsweisen." Der Leiter von "Les Hippopotames" mache ganz stark visuelles Theater, sagt Birgit Vaith. Sie selbst lege auch großen Wert auf Bilder, aber Leo Turon habe noch mehr Bewegung drin. Das gegenseitige Lernen bleibt also nicht auf die 14- bis 19-jährigen Spieler beschränkt. Am 16. Mai soll "La frontière - die Grenze" in Etange aufgeführt werden, im September in Lörrach.


Die Oberbadische vom 01.03.08

Theater überwindet Grenzen

Junges Theater Nellie Nashorn und Les Hippopotames aus Frankreich proben gemeinsam

Von Gabriele Hauger Lörrach.

Eine Mischung aus Gruppengefühl und Konzentration herrscht derzeit im Proberaum im Nellie Nashorn. Die Schauspieler des Jungen Theater Nellie Nashorn und von Les Hippopotames aus Lothringen proben hier ihr neues, zweites gemeinsames Stück Die Grenze.

Klar gibt es sprachliche Missverständnisse. Das kann aber manchmal überraschend kreativ sein, konstatiert Kirstin in der Probenpause. Außerdem seien Deutsche und Franzosen mittlerweile fast wie eine Familie. So jedenfalls empfinden es die jungen Schauspieler im Alter zwischen 13 und 19 Jahren, die sich erstmals beim Internationalen Theatertreff in Lörrach kennengelernt hatten. Schnell entstand über Regisseurin Birgit Vaith die Idee, gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen. Die Lothringer spielen ein sehr visuelles, bildstarkes Theater. Das gefällt mir, und das passt zu uns. Im übrigen können wir wunderbar voneinander lernen. Zustimmend nickt der französische Regisseur Leo Turon. Man sei neugierig aufeinander gewesen. Das erste gemeinsame Stück Paris 1900 war ein voller Erfolg. Mit Die Grenze möchten die Schauspieler daran anknüpfen.

Die Proben sind intensiv, laufen von morgens bis abends. Schließlich ist nicht allzu viel Zeit, man wohnt rund 300 Kilometer voneinander entfernt, und die Premiere in Frankreich ist bereits im Mai. In Lörrach wird das Stück im September zu sehen sein.

Die Grenze ist eine Eigenproduktion. Es begann mit Brainstorming, Improvisationen und Assoziationen sowie Recherchen zum Thema Grenzen. Gemeint sind dabei keineswegs nur nationale Grenzen, erläutert Birgit Vaith. Es geht hier auch um innere Grenzen. Die Ideen der jungen Schauspieler flossen reichlich. Dabei hat sich folgender Inhalt herauskristallisiert:

Zwei unterschiedliche Volksgruppen leben zunächst friedlich miteinander, feiern gemeinsame Feste. Durch Zufall gibt es einen Toten. Die Empörung wächst, Grenzen und Verbote entstehen. Diese nehmen an Stärke zu, wachsen sich zu ordentlicher Skurrilität aus: Es ist verboten zu lieben, zu sterben, Tauben zu füttern. Doch es wächst der Widerstand, Sabotage und Schmuggel blühen. Schließlich kommt es zum Grenzübertritt...

Das schwierige Thema wird in starken, klaren Bildern erzählt, die Sprache spielt eine größere Rolle als beim ersten Stück. Kein Problem für die Schauspieler. Ich hatte erst Befürchtungen, dass ich zu wenig Französisch kann, erzählt Silke. Aber: Wir haben die Sprachbarrieren ganz locker überwunden. Es ist faszinierend, wie man sich jenseits aller Worte über das Theater verständigen kann, ergänzt Lukas.

Los! und Allez!, heißt es dann vom Regisseur-Duo. Schließlich muss noch viel geprobt werden.

 

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Fotos: Thomas Quartier

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