NELLIE NASHORN

EIGEN PRODUKTIONEN 2009

Junges Theater Nellie Nashorn

Fucking Åmål
nach Lukas Moodysson

Regie: Birgit Vaith

 
 
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Zum Stück

Wer in Åmål lebt, erfährt immer erst, was in ist, wenn es im Rest der Welt schon längst wieder out ist. Hier lebt Elin, das coolste Mädchen der Schule, und hier lebt auch Agnes, die als Außenseiterin gilt.
Die Neuigkeit „Agnes liebt Elin“ sorgt für große Aufregung

Fucking Åmål ist ein ergreifend, aber auch amüsantes Stück über das emotionale Chaos der ersten Liebe, über das Erwachsen werden, über normal und anders sein.


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Presse

Die Oberbadische vom 06.05.09

Liebe, Sehnsucht, Verwirrung

Das junge Theater Nellie Nashorn inszenierte „Fucking Åmål“ auf berührende Weise

Von Ursula König

Lörrach. Zum Frühstück gibt es noch keinen Kaffee, sondern Kakao und auch der Teddybär gehört - als ein Relikt der Kindheit - zum Leben der Heranwachsenden dazu. Das Theaterstück „Fucking Åmål“ beschreibt die wohl schwierigste Zeit im Leben: Den Schritt zum Erwachsen werden und das damit mitunter verbundene Gefühlschaos.

Nach dem gleichnamigen schwedisch-dänischen Erfolgsfilm von Lukas Moodysson wurde das Stück um Liebe, Freundschaft und den Mut, zu seinen Gefühlen zu stehen, am Sonntag vom Jungen Theater Nellie Nashorn auf die Bühne des Nellie Nashorn gebracht. Eine gelungene - und mit viel Fingerspitzengefühl umgesetzte - Inszenierung.

Åmål steht für eine typische Kleinstadt, in der es Heranwachsenden mit ihren vielen unerfüllten Träumen und Sehnsüchten leicht zu eng werden kann. Die Hormone scheinen in einem ständigen Aufruhr zu sein, obwohl sich die verschiedenen Cliquen des Ortes möglichst cool präsentieren. Zwei Außenseiter gibt es, die sich allerdings auch nicht einander anschließen können. Vor allem die sensible und von ihrem Vater wohl behütete Agnes (Charlotte Oehler) leidet seit ihrem Umzug in den Ort nicht nur an Kontaktarmut. Sie hat sich in das aufregendste Mädchen der Schule Elin (Helen Schneider) verliebt. An der Schule geht das Gerücht herum, sie sei lesbisch, was sie noch mehr zum Rückzug treibt...

„Fucking Åmål“ ist im Film wie auf der Bühne ein Werk, das den schmerzhaften Übergang von der Kindheit zum erwachsenen Dasein sehr eindrücklich darstellt. Der Wunsch nach ständiger Ablenkung verdrängt die Fragen, die gestellt werden, wenn nichts passiert. Jeder möchte so cool wie möglich erscheinen und doch dreht sich alles um die erste Verliebtheit und Fragen der Sexualität.

Um dieses heikle Thema auf die Bühne zu bringen, bedarf es Mut. Denn die Darsteller des Ensembles, im Alter zwischen 13 und 16 Jahren, stecken selbst mitten in dieser Phase, die sie glaubwürdig und berührend darstellen. Hier werde viel von den Rollen verlangt, erklärte Theaterpädagogin und Regisseurin Birgit Vaith. Eine intensive Erarbeitung der teils schwierigen Themen war notwendig.

Doch für die jugendlichen Darsteller war es auch reizvoll, ihre Themen auf die Bühne zu bringen, denn vor allem der Sprachwitz des Stückes hat sie begeistert.
Zimperlich geht es dabei nicht zu; meist ist Klartext angesagt und der kann ganz schön treffen. „Fucking Åmål“ wurde mit vollstem Einsatz gespielt und dies trug wesentlich zum Erfolg der Premiere bei.


BZ vom 05.05.2009

Das Chaos der Gefühle

Junges Theater Nellie Nashorn Lörrach zeigt das Pubertätsdrama "Fucking Åmål"

Åmål hat den jungen Leuten nicht viel zu bieten — ein kleines Kaff, in dem nach Meinung von Elin, Agnes und den anderen nur lauter Beknackte wohnen. Dazu nerven jüngere Geschwister und die Eltern. Die Zuwendung von Mama und Papa beschränkt sich oft genug nur auf seichte Fernsehunterhaltung, Cola und Chips oder unbeholfen wirkende, stereotype Gesten. Vorbilder sind diese Erwachsenen gewiss nicht. Mit den Jungs ist aber auch nicht wirklich viel anzufangen, außer man interessiert sich für Basketball, Handys und Biertrinken. Alles in allem eine Umgebung, in der es schwer fällt, seine Träume zu verwirklichen und einen Platz im Leben zu finden. Besonders schwer hat es Agnes. Sie wohnt noch nicht lange in Åmål, gilt als Außenseiterin und verliebt sich ausgerechnet in Elin, das coolste Mädchen in der Schule.


In einer beeindruckenden Premiere zeigten am Sonntag unter der Regie von Birgit Vaith die Spielerinnen und Spieler des Jungen Theaters Nellie Nashorn in Lörrach das Pubertätsdrama "Fucking Åmål" nach Lukas Moodyssonus, das vor zehn Jahren erfolgreich verfilmt wurde. Dass sie selbst ungefähr in dem Alter der Protagonisten des Stücks sind und Gefahr liefen, zu wenig Distanz zu ihren Rollen aufbauen zu können, machte die Sache nicht gerade einfacher.

Umso eindrucksvoller war die Leistung des gesamten Ensembles. In vielen kurzen Szenen gelang es Anton Benedix (Johann), Julien Combelles (Markus), Charlotte Oehler (Agnes), Sarah Pfleiderer (Larissa), Silke Quartier (Victoria), Helen Schneider (Elin), Sebastian Walling (Olof, Micha), Judith Werner (Jessica), Rebecca Wiese (Jojo, Franzi) und Anne Windhausen (Brigitta, Vanessa) das starke Gefühlschaos darzustellen, in dem die Jugendlichen der Grunge-Generation stecken; ihre Nöte und Ängste, ihre Unsicherheit und Sprachlosigkeit. Kurze Streiflichter auf Elins Geburtstagsüberraschung, auf eine Party, bei der sich alle sinnlos besaufen, auf das primitive Imponiergehabe der Jungs, auf einen nächtlichen Streit am Straßenrand. So viel Drastisches und Ergreifendes die Szenen auch hatten, so gehörig blitzte hie und da auch mal eine Portion Humor auf. Lukas Löffler setzte all das mit Licht, Ton und Musik wunderbar in Szene. Das Chaos, das sich auf der Bühne breitmachte, veranschaulichte zusätzlich, wie es in den Kids aussieht.

Überhaupt wurde in der neuen Inszenierung des Jungen Theaters Nellie Nashorn wieder viel mit Bildern gearbeitet. Anstatt sich zu küssen, tauschten etwa Charlotte Oehler und Helen Schneider spielerisch ihre Lollis aus. Ein starkes Stück Jugendtheater!

Barbara Ruda


BZ vom 29.04.2009

Ein komisches Stück um ein starkes Gefühlschaos

Wie das Junge Theater vom Nellie sich ein Stück erarbeitet hat

Von unserer Mitarbeiterin Barbara Ruda

LÖRRACH. Mit "Fucking Åmål" hat sich die drittälteste Gruppe des Jungen Theater Nellie Nashorn einen Stoff für ihre neue Inszenierung vorgenommen, der als schwedisch-dänischer Jugendfilm aus dem Jahr 1998 bekannt und mehrfach mit Preisen ausgezeichnet wurde. Es geht darin um Teenager in der Kleinstadt Åmål, die - wie überall auf der Welt - Probleme mit Pubertät und Selbstfindung haben. Ein komisches Stück um ein starkes Gefühlschaos: Alles dreht sich um die Fragen "Wie gehe ich meinen eigenen Weg in Liebe und Beruf?" , "Passe ich mich an oder breche ich aus?"

Doch wie gehen Birgit Vaith und ihre Spielerinnen und Spieler im Alter zwischen 13 und 16 Jahren überhaupt an so ein Stück heran? Angesprochen hat es sie sofort, als es die Theaterpädagogin ihnen vorgestellt hat, weil es einerseits aggressiv, andererseits witzig das Thema auf den Punkt bringt. In diesem Fall lag die Schwierigkeit darin, dass die Jugendlichen eine Lebensphase spielen sollten, in der sie selbst noch mehr oder weniger stark drinstecken.

Oftmals musste die Gruppe darüber diskutieren, ob sie gewisse Szenen überhaupt spielen kann, oder ob dazu einfach die nötige Distanz fehlt. Und wenn man sie denn spielt, wie kann man dann darstellen, etwa wie sich zwei Mädchen küssen - realistisch oder symbolisch? In diesem Fall hat die Gruppe einiges ausprobiert und eine schöne Lösung gefunden. In Szenen mit einer körperlichen Annäherung taucht immer das Spiel mit einem Lolli auf.

Der Text einer Vorlage passt meist nicht hundertprozentig auf die Theatergruppe . Damit alle eine Rolle bekommen konnten, musste bei "Fucking Åmål" vier neue Personen erfunden werden. Mit Spielen und Improvisationen gingen die Jugendlichen daran, diesen eine Gestalt zu geben. Wie Birgit Vaith berichtet, bot das oft Zündstoff für Dialoge. Sie schreibt die daraus entstehenden Texte mit, um sie später in die Szenen einzubauen.

Die Rollen werden mit verschiedenen Methoden erarbeitet. Zum einen, in dem sich jeder Spieler ein passendes Tier sucht, von dem er oder sie glaubt, dass es zu seiner Rolle passt. Was dann vom Spielen dieses Tiers auf die jeweilige Figur übertragen wird, kann dieser starken Ausdruck verleihen. Wichtig für die Figurenarbeit ist auch der "Heiße Stuhl" , auf dem jeder in seiner Rolle Rede und Antwort auf alle Fragen stehen muss.

 

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Fotogalerie

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Fotos: Thomas Quartier

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Es spielen:
 
Anton Benedix Johann
Julien Combelles Markus
Charlotte Oehler Agnes
Sarah Pfleiderer Larissa
Silke Quartier Victoria
Helen Schneider Elin
Sebastian Walling Olof, Micha
Judith Werner Jessica
Rebecca Wiese Jo Jo, Franzi
Anne Windhausen Birgitta, Vanessa
   
Regie & Textbearbeitung Birgit Vaith
   
Licht- & Tontechnik Lukas Löffler
Plakat & Programm Lukas Löffler
Musikauswahl Lukas Löffler / Magdalena Vaith / Ensemble

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Impressum

webmaster@junges-theater.eu