NELLIE NASHORN

EIGEN PRODUKTIONEN 2009

Junges Theater Nellie Nashorn

Die mit dem Drachen tanzen
 

Regie: Birgit Vaith

 
 
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Zum Stück

Jakob sitzt, wie fast jeden Nachmittag, auf dem Dach eines Hochhauses und schreibt an einer Geschichte. Das Dach ist der einzige Ort, an dem er sich wohl fühlt, fern ab von seinen Mitschülern, die ihn terrorisieren, wann immer sie ihn treffen. Da taucht Paulina auf, eine Mitschülerin, und Jakob erfährt, dass man Mädchen offenbar nicht bloß mit Muskeln beeindrucken kann. Nach und nach kommen weitere Mitschüler und nachdem die Situation anfangs zu eskalieren droht, gelingt es Jakob sie in seine Welt zu entführen - eine Welt, die das genaue Gegenteil von ihrem Großstadtleben darstellt, voll von märchenhaften Gestalten und Abenteuern.

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Presse

BZ vom 30.06.2009

Abenteuer in Jakobs Welt

Junges Theater Nellie Nashorn: "Die mit dem Drachen tanzen"

Von unserer Mitarbeiterin Barbara Ruda

LÖRRACH. Der Beginn in der Realität großstädtischer Jugendlicher ist wenig märchenhaft. Doch im zweiten Teil ihres neusten Stücks "Die mit dem Drachen tanzen" entführt die drittälteste Gruppe des Jungen Theater Nellie Nashorn die Zuschauer in eine Welt, die das genaue Gegenteil davon darstellt — eine Welt, die voll ist von märchenhaften Gestalten und Abenteuern.

Jakob wird ständig von seinen Mitschülern gemobbt. Deswegen zieht er sich auf das Dach eines Hochhauses zurück und schreibt an einer Geschichte. Doch eines Tages bricht mit Paulina eine pubertäre Gruppe von Mädchen und Jungs in die Ruhe dort oben ein. Da ist Zickenterror angesagt, sind großspurige Sprüche der Jungs zu hören, die ohne jede Kritik und wie Vasallen ihrem Anführer Robin folgen. Die Spirale an gegenseitigen Demütigungen schraubt sich hoch, bis die Situation zu eskalieren droht. Robin will Jakob vom Hochhausdach stürzen. Im letzten Moment gelingt es ihm jedoch, die Jugendlichen in seine Welt zu ziehen.

Bis hierher haben die Spielerinnen und Spieler des JTNN die gruppendynamischen Prozesse authentisch dargestellt und immer wieder mit Humor gebrochen. Nun beginnt mit wildem Drive ein Theater im Theater, in dem die Mädchen und Jungen viele Register moderner Thea terkunst ziehen. So agieren sie in Zeitlupe, kommentieren das Geschehen oder spinnen auf der Bühne laut daran, wie Jakobs Geschichte von einer Prinzessin weitergehen soll, die von ihrem Vater, dem König, verstoßen wird. Szene für Szene scheint erst vor den Augen der Zuschauer zu entstehen. Kinderkram ist dieses Märchen beileibe nicht, eher eine bizarre Geschichte, in der die Jugendlichen ihre Herkunft und ihre Beziehungen nie verleugnen können. Gespielt wird mit all dem Müll, der auf dem Dach zu finden ist. Ein Einkaufswagen wird beispielsweise zur Pferdekutsche, in der der Prinz seine Prinzessin durch den Wald fährt. Als die Jugendlichen immer tiefer in das Märchen einsteigen, merkt man, wie die Beziehungen untereinander sich verändern, wie Verständnis wächst und am Ende sogar eine Freundschaft entsteht. Im Zusammenhalt gelingt der Tanz mit dem Drachen.

Um die Ensembleleistung hervorzuheben, zählt das JTNN die Akteure nur mehr per Namen, nicht aber mit den dazugehörigen Rollen auf. Alle zeigten sich bei der Premiere in Hochform: Hanna Bretz, Oliver Debatinh, Jildou Elgersma, Paula Grzesiek, Christella Langen, Tobias Leibfried, Sharon Leitner, Frederik Nickel, Maren Potgeter, Maike Reissner, Carolin Schultze, Lisa Strickstrock, Valerie Weiss.


Die Oberbadische vom 30.6.09

Zusammen sind sie unbesiegbar

Premiere „Junges Theater Nellie Nashorn“ mit „Die mit dem Drachen tanzen“

Von Ursula König

Lörrach. Sehr idyllisch sieht es auf dem Dach des Hauses nicht aus, auf das Jakob sich gerne zurückzieht. Hier kann er in seine Welt versinken, Geschichten schreiben und dem Terror seiner Mitschüler entfliehen. Das „Junge Theater Nellie Nashorn“ beeindruckte am Sonntag mit der Premiere „Die mit dem Drachen tanzen“, einer Inszenierung, in der Realität und Fantasie-Welt aufeinander treffen und sich immer wieder vermischen. Dabei werden die Themen aus der realen Welt halb spielerisch, halb ernst in der Märchenwelt aufgegriffen und dort von den Akteuren bearbeitet, bis die vorher zerstrittene Gruppe sich auch in der Wirklichkeit gefunden hat. Schnoddrige Sprüche gehören bei den Jugendlichen des Stücks zum „guten Ton“. Dahinter verbergen sich indes einige Macken und Schwächen.

Unter der Regie von Birgit Vaith entstand ein sehr lebendiges Stück, das einen Blick auf die Welt von Jugendlichen wirft. Stark ausgeprägte Charaktere, witzige Requisiten und die lebendige Ausdruckskraft der jungen Schauspieler verbinden sich hier zu einer amüsanten Inszenierung, die dennoch nicht an der Oberfläche bleibt.

Jakob, der Sonderling, scheint sich nur für seine Geschichten zu interessieren. Auf dem Dach trifft er Pauline, die zwar, wie alle Mädchen, den „Turbo-Traumboy“ Robin prickelnd findet. Doch noch prickelnder findet sie die Gedichte von Jakob, was sein Selbstvertrauen ganz schön hebt. Deutlich wird in der Welt der Jugendlichen, dass das Leben der Erwachsenen für sie noch in vielem fremd und mit Fragezeichen behaftet ist. Pauline jedenfalls ist verwirrt, wenn ihre Mutter über ihren Vater sagt: „Die schlimmsten Geschenke sind am schönsten verpackt.“ Und auch die coole, aufgetakelte Superfrau, die alles in Alarmstufen und Richterskalen bewertet, fühlt sich von ihrem Vater eigentlich nicht geliebt. Diese Leere versucht sie mit lockeren Sprüchen auszufüllen. Traumboy Robin scheint dagegen keine Selbstzweifel zu kennen.

„Dies ist die Begegnung mit der Vollkommenheit“, stellt er sich gerne vor, und es scheint nicht nur witzig gemeint. In der Märchenwelt ist er natürlich der Prinz, und eigentlich will er lieber von der Prinzessin angebetet werden, als umgekehrt. Was vorher die Tendenz von Mobbing hatte, wird in der Fantasywelt zum Krieg, der in gewisser Weise reinigende Wirkung hat und sich auf die Wirklichkeit überträgt. Die starren Rollenklischees scheinen etwas aufgeweicht. Ein Neuanfang ist möglich.

Als Gruppe sind sie unbesiegbar. Mit feinem Gespür für Zwischentöne und viel Kreativität werden hier Themen auf die Bühne gebracht, die auch die Schauspieler selbst betreffen, die lebendig und authentisch ihre Rollen gestalten.

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Fotogalerie
 

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Fotos: Thomas Quartier

 
Es spielen:
 
Hanna Bretz Oliver Debatin
Jildou Elgersma Paula Grzesiek
Christella Langen Tobias Leibfried
Sharon Leitner Frederik Nickel
Maren Potgeter Maike Reissner
Carolin Schultze Lisa Strickstrock
Valerie Weiss  
   
Regie Birgit Vaith
   
Musik Michael Schwiening
Licht- & Tontechnik Magdalena Vaith
Tanzchoreografie Augusta Warskulat
Plakat & Programm Lukas Löffler
Video Thomas Quartier
Jan Bertram

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Impressum

webmaster@junges-theater.eu