NELLIE NASHORN

EIGEN PRODUKTIONEN 2010

Junges Theater Nellie Nashorn

Hamlet
nach F.K. Waechter
Regie: Birgit Vaith

 
 
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Das shakespeare`sche Drama Hamlet wird in dieser Adaption frei nach F.K. Waechter aus der Perspektive der alten Spielgefährten Kasper und Bär erzählt. Hamlet verstummt nach dem Tode seines Vaters. Durch die schnelle Heirat der Mutter mit dem Onkel fühlt der junge Prinz sich mit seinem Schmerz allein gelassen und zieht sich völlig in sich selbst zurück. Nicht einmal seine alten Spielkameraden Kasper und Bär können ihn aufmuntern. Als einzige Vertraute hat der Prinz Ophelia auserkoren, die Tochter des Hofmarschalls. Ihr schreibt er Tag für Tag seine Gedanken und ihr gesteht er seine Liebe. Natürlich darf Ophelia nicht reagieren, der Hofmarschall und die Standesgrenzen verbieten es. So bleiben Hamlets Briefe unbeantwortet und der Prinz ganz allein. Als dann eines Nachts der Geist des verstorbenen Königs erscheint und Hamlet die wahre Ursache seines plötzlichen Ablebens offenbart, wird die Situation unerträglich und Hamlet fasst einen Plan. Dieses Theaterstück erzählt auf burleske Weise von der ersten Liebe, von der Auseinandersetzung mit dem Tod, von den Erfahrungen des Ausgeliefertseins an die Welt der Erwachsenen und von der Verantwortung gegenüber dem eigenen Leben

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Presse

Die Oberbadische vom 22.2.10

Ein Hamlet aus dem Bilderbuch

Brillante Inszenierung unter der Regie von Birgit Vaith am Jungen Theater Nellie Nashorn

Von Veronika Zettler

Lörrach. Hat man in Lörrach ein inoffizielles Shakespeare-Jahr ausgerufen? Das „Bühneli“ befasst sich mit dem Dramatiker in der Kishon-Variante, „Tempus Fugit“ brilliert mit der „Komödie der Irrungen“ und das „Junge Theater Nellie Nashorn“ hat dem Ganzen jetzt eine Krone von geradezu elisabethanischem Glanz aufgesetzt: Hamlet. Die Premiere war ein hinreißendes Spektakel - ganz großes Kino: eins plus mit Sternchen.


Die Kritiker überschlugen sich, als F.K. Waechter sein wundervolles Bilderbuch „Prinz Hamlet“ veröffentlichte. Aufs liebevollste hatte der 2005 verstorbene Zeichner den Stoff um den Dänenprinzen verfremdet und mit seiner eigenen kongenialen Poesie versehen. Das Werk ist schon oft an Theatern umgesetzt worden, nun auch am Nellie Nashorn unter der Regie von Birgit Vaith - und in ihrer energiesprühenden jugendlichen Theatergruppe fiel die Shakespeare-Waechter’sche Schöpferkraft offenbar auf äußerst fruchtbaren Boden.

Einfach alles ist gelungen in diesem Stück, in dem sämtliche Schauspieler überzeugen. So dicht gesät sind hier Situationskomik und nuancenreicher Slapstick, dass die Zuschauer mit dem Schmunzeln gar nicht mehr aufhören können. Die jugendlichen Akteure brillieren mit ausgefeiltem mimischen Können, Bewegungspräzision und Textsicherheit. Da ist eine vor Verliebtheit übersprühende Ophelia, ihr herzig gestrenger Vater mit dem mechanischen Gang einer Aufziehfigur, ein unmoralisches Königspaar, das sich in Dekadenz und Geilheit überschlägt, vor allem aber Kasper und Bär, die F.K. Waechter seiner Hamlet- Adaption hinzu gedichtet hat, während er Personen wie Horatio oder Fortinbras unter den Tisch fallen ließ.

Kasper und Bär bilden so etwas wie die Idealfiguren einer Kindheitsfreundschaft: lustig, feinfühlig und treu. Sie kommentieren und beeinflussen das Geschehen um den still pubertierenden Hamlet, der sich hier die Seinsfrage gar nicht erst stellt. Vor allem aber zeigen sie sich in steter Sorge um den in Liebe zu Ophelia entbrannten Gefährten und fragen immerzu mit bangen Gesichtern: „Was tut Hamlet?“ Faszinierend wie Kasper und Bär, die eigentlichen Hauptfiguren dieses Stücks, in synchronisierten Bewegungen agieren, ebenso König und Königin, die nur eine Überzeugung kennen: „Es muss auch wieder Leben sein“.

Ein fantastischer Augenschmaus ist dieser „Hamlet“ zudem geworden. Neben prächtigen Commedia-Kostümen mit bunten Pluderhosen und überdimensionierten Kronen gibt es eine geniale Gerüstkulisse, die sich nahtlos vom zerwühlten Liebesnest in die teichoskopische Mauer und dann wieder ins einsame Prinzenzimmer verwandelt. Da fliegen jede Menge Gänseblümchen durch die Luft, und jede Menge Karotten werden mit Hingabe gefuttert. Die Aufführung erzeugt mal Stummfilm-, mal Trickfilmambiente, nicht zuletzt dank Lukas Löffler, der die Dramaturgie am Klavier untermalt. Eine preisverdächtige Inszenierung.



BZ vom 22.02.2010

Dem "alten Schinken" Leben eingehaucht

Das Junge Theater Nellie Nashorn zeigt "Hamlet" als berührendes Generationenstück

Genau so kann man eine medial überversorgte junge Generation für die Bühne und für Klassiker, die zu dem kulturellem Gedächtnis europäischer Gesellschaften gehören, gewinnen: An so einen "alten Schinken" hat sich das Junge Theater Nellie Nashorn unter Leitung von Birgit Vaith mit "Hamlet" zum ersten Mal gewagt und sich dabei nicht etwa die Zähne ausgebissen. Im Gegenteil: Bei der Premiere am Freitagabend zeigte sich das zumeist junge Publikum gleichermaßen gut unterhalten und tief berührt.

Mit überzeugendem Spiel, zündenden Regieeinfällen, symbolischen Bildern, burlesken Einlagen und Lukas Löfflers Klavierspiel, das alles stimmungsvoll untermalte, gelang es den jungen Spielerinnen und Spielern, den entscheidenden Konflikt zwischen Hamlet und Ophelia auf der einen und der Macht- und Intrigenwelt der Elterngeneration auf der anderen Seite herauszuarbeiten. Wie gewohnt tat das Junge Theater Nellie Nashorn das sehr körperlich und visuell.


Nach Motiven von Waechters Bilderbuch wurde das Königsdrama auf einem und um ein Gerüst herum wie unter einem Brennglas als Generationenstück erzählt. Die erste Liebe, das Ausgeliefertsein an die Welt und die Verantwortung gegenüber dem eigenen Leben wurden aufgegriffen — alles Aspekte, die heute für Jugendliche wesentlich sind.

Die Wahrnehmung der Akteure war also die von Jugendlichen, die sich an der Sicht der Eltern reiben, und Hamlet machten sie zu einem der Ihren. Seine beiden Spielgefährten aus der Jugendzeit und gleichzeitig seine inneren Protagonisten, Kasperle (Philip Honold) und Bär (Maren Hätty), kommentierten den englischen Dichter in einer genauso brachialen wie poetischen Weise. Indem sie in die Rollen der vom Ensemble übertrieben komisch dargestellten Erwachsenen schlüpften, entlarvten sie die höfische Gesellschaft nach allen Regeln der Schauspielkunst. Mit exaltiertem Possenspiel und viel Humor, der ja bei Shakespeare ganz wesentlich ist, wurde das an sich tragische Geschehen immer wieder durchbrochen und das Publikum zum Lachen gebracht. Ein paar Szenen waren freilich ganz schön gewagt, etwa wie Bär und Kasperle Kinderreimchen aufsagten, während es die Alten über ihnen mit bizarren Verrenkungen im Bett trieben.

Nachdem die Mutter (Kirstin Quartier) sich nach dem Tod seines Vaters schnell mit dem Onkel (Julien Combelles), der ihn ermordete, um an die Herrschaft zu gelangen, vermählt hat, ist Hamlet (Jonas Huth) vor Schmerz verstummt. Statt zu sprechen schreibt der Liebende seine Gedanken an die Tochter des Hofmarschalls (Swenja Müller), die unschuldige Ophelia (Mathilde Leibfried), der der Vater verboten hat, ihn zu sehen. Nachdem Hamlet der Geist des toten Vaters erschienen ist, entscheidet er sich, den Mörder mit Hilfe eines Theater im Theater zu entlarven — mit allen Konsequenzen.

Die Innerlichkeit, mit der die Spielerinnen und Spieler aller Komik zum Trotz spürbare Verzweiflungsräume öffneten, h beeindruckte. Selbst das Bühnenbild war beredt: Am Ende lagen alle kleinen Gänseblümchen ausgerupft und quer über den Boden zerstreut, das große (Anette Honold) war erstochen worden, und die Efeuranken auf zwei Stoffbahnen hatten sich im Laufe des Stücks von schönem Grün in Blutrot verfärbt.


Barbara Ruda


Der Sonntag vom 21.2.10

Groteske Verrenkungen im königlichen Bett

HAMLET mal anders im Nellie Nashorn

Was macht eigentlich Hamlet?“ ist nicht nur die wohl am häufigsten gestellte Frage in der Hamlet-Adaptation des Autors F. K. Wächter, das die Jugendtheatergruppe des Nellie Nashorn derzeit spielt, sondern sie resümiert auch, um was es in dem Stück eigentlich geht. Hamlet, die Hauptfigur aus Shakespeares Dramenklassiker, ist in dem kessen Bühnenstück nur Nebenfigur. Ein liebestoller Prinz, der unter dem Tod seines Vaters leidet. So wird die Figur auch räumlich an den Rand gerückt, während sich die Handlung auf seine alten Spielgefährten Kaspar und Bär konzentriert. Ihnen gelingt es, aus der eigentlichen Nebenperspektive das Wesentliche zu entlarven. Sie sind Spiegelbild der handelnden Personen und persiflieren das Geschehen im Schloss. Das Drama wird zu einer amüsanten Reflexion über das erste Verliebt- sein und die Welt der Erwachsenen. Diese treten in der Person der Königin und ihres zweiten Gatten auf. Doch anstatt die Staatsräson zu repräsentieren, verlustieren sich die beiden in grotesken Verrenkungen im königlichen Ehebett und werfen sich lüsterne Blicke zu, die, wenn schon nicht beim immer betrübt n Hamlet, so doch zumindest in den Publikumsrängen für große Lacherfolge sorgen.

Ohnehin trifft die junge Theatertruppe unter Leitung von Birgit Vaith mit dem Stück den richtigen Ton. Was ankommt, ist eine gelungene Mischung aus burlesken und dramatischen Elementen, gepaart mit einer einfachen, aber effektvollen Bühnengestaltung. Umgesetzt werden auch pantomimenhafte Slapstickelemente; die durch das Zusammenwirken von Gestik und Mimik der Akteure und der musikalischen Begleitung von Lukas Löffler am Klavier an Ausdrucks- kraft gewinnen.

Doch was das Stück auszeichnet, ist mehr als sein reiner Unterhaltungswert. Vielmehr gelingt es den Darstellern, das Spiel mit dem Spiel spannungsvoll auf die Bühne zu bringen. „Der Mensch verkümmert ohne Spiel‘ deklamiert die Königin an einer Möhre mümmelnd, doch das Gespielte wird schnell zum Ernst. Hamlet ersticht den Vater der Geliebten, der Rest ist Geschichte. Und auch die unschuldig-kitschige Liebeshandlung zwischen dem Prinzen und der Tochter des Hofmarschalls endet mit dem Wahnsinn. So kehrt das Stück schließlich zu dem Drama zurück, von dem es ausgegangen ist.

JULIA JACOB

HAMLET: am 21./22./23. Februar jeweils m 20 Uhr im Kulturzentrum Nellie Nashorn, Lörrach.



 

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Fotogalerie

Generalprobe am 18. Februar 2010

 

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Fotos: Thomas Quartier

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Es spielen:
 
Julien Combelles Maren Hätty
Anette Honold Philip Honold
Jonas Huth Mathilde Leibfried
Swenja Müller Kirstin Quartier
   
Regie Birgit Vaith
   
Live Musik Lukas Löffler
   
Plakat und Programm Lukas Löffler
techn. Beratung/Ausführung/Licht Florian Porsche
Schneiderei Madlen Honold
Besorgungen Andrea Schaller
Kostüme Scala Kostümverleih Elke Weth

Wir danken für die freundliche Unterstützung dem Scala Kostümverleih und dem Landesverband Amateurtheater Baden-Württemberg

 

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Impressum

webmaster@junges-theater.eu