NELLIE NASHORN

EIGEN PRODUKTIONEN 2010

Junges Theater Nellie Nashorn

Justin Case

Regie: Birgit Vaith

 
 
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Zum Stück

Was wäre, wenn wir nur einen Wimpernschlag von der Katastrophe entfernt wären? Als David Case seinen kleinen Bruder im letzten Augenblick vor dem Sturz aus dem Fenster retten kann, gerät sein Leben aus den Fugen. Er ist sich sicher, dass das Schicksal wieder zuschlagen wird. Er ändert seinen Namen in Justin Case, legt sich einen imaginären Hund zu und beginnt zu laufen, in der Hoffnung schneller zu sein, als all die tödlichen Gefahren, die auf ihn lauern.

Mit schwarzem Humor, aber auch großer Zärtlichkeit erzählt dieses Theaterstück vom Drama des Erwachsenwerdens und der Suche nach Identität.


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Presse

BZ vom 19.05.2010

Flucht endet in den Armen des Schicksals

Anspruchsvolles Spiel mit Bildern: "Justin Case" des Jungen Theaters Nellie Nashorn

Im Flugzeug als Symbol für die Geschwindigkeit, mit der die Titelfigur scheinbar unaufhaltsam auf den Absturz zurast, saß bei der Premiere des neuen Stücks "Justin Case" des jungen Theater Nellie Nashorn auch das Publikum. Von einer Stewardess freundlich an Bord willkommen geheißen und mit einer Kotztüte ausgestattet gelangte man an seinen Platz. Das Utensil brauchte später zwar keiner, aber allzu bequem konnte man sich dort auch nicht einrichten. Dazu warteten auf dem Flug der "Airuption" -Maschine durch die Geschichte von Justin Case zu viele Turbulenzen auf die Figuren des Stücks und die Zuschauer. Es hieß, knapp zwei Stunden konzentriert zuzuhören, weil das Ensemble die Geschichte sehr dicht erzählte.

So lange war es im Nellie Nashorn mucksmäuschenstill — wenn nicht gerade gelacht wurde. Denn in der neuen Inszenierung kommt zwischen Ruppig- und Zärtlichkeit wie gewohnt der schwarze Humor nicht zu kurz. Dieser 15jährige Junge namens David Case, dessen Leben aus den Fugen gerät, als er seinen kleinen Bruder im letzten Augenblick vor einem Sturz aus dem Fenster rettet, ist sich sicher, dass das Schicksal wieder zuschlagen wird. Deshalb ändert er seinen Namen, trägt verrückte Klamotten und legt sich einen imaginären Windhund zu. Es ist der Versuch, als Jugendlicher im magischen Denken von Kindern zu verharren. Die Metamorphose scheint gelungen David gibt es nicht mehr. Deshalb kann ihm auch nichts mehr passieren. Oder doch?


Zwar beginnt er in der Hoffnung, schneller zu sein als all die tödlichen Gefahren, die auf ihn lauern, zu laufen, dabei landet er aber geradewegs in den Armen des Schicksals, das ihn ruhig erwartet hat — mit der größtmöglichen Explosion.

Beeindruckend, wie die fünf Spielerinnen und Spieler unter Regie von Birgit Vaith mit wenigen Hilfsmitteln — einem Garderobenständer mit Kleidern und einer Holzkiste, die das Schicksal verschiebt und einrichtet - und vollem Körpereinsatz das Drama auf engstem Raum zur Entfaltung bringen. Das öffnet immer wieder Räume im Spiel wie in der Imagination. Man mag es kaum für möglich halten, dass "Justin Case" für Dorothea Lindenblatt (das Schicksal, Stewardess) und Felix Rothenbacher (Justin) die Bühnenpremiere war. Gerade in der Titelrolle galt es, neben dem Beherrschen des Textes viel über den Ausdruck zu spielen, das quälende Hin- und Hergeworfen zwischen früher Kindheit und Erwachsensein, wo der Junge ganz andere Züge trägt, oder auch den Umgang mit seinem imaginären Hund.

Auch Lukas Löffler (Freund Peter, Vater, Modeschöpfer), Tina Fritsch (Agnes) und Maren Hätty (Mutter, Lehrerin, Peters Schwester) agieren sicher und ausdrucksstark in ihren Rollen — Personen, die Justin immer wieder Starthilfe und Spiegelungen geben. Das Timing stimmt. Wie vom JTNN nicht anders gewohnt hat das Ensemble den neuen Stoff zu seinem gemacht. Der besondere Blick auf Justins Entpuppung zum Schmetterling mit Bildern trägt. Und so ist auch das neue Stück, so anspruchsvoll es während der kompletten Dauer ist, sehenswert.

 


Die Oberbadische vom 17.5.10

Kein Halt, kein Ort, kein Ich

Junges Theater fragt nach Identität

Von Dorothea Gebauer

Das Spiel auf der Bühne gibt sich äußerst hektisch und explosiv. Chaos, Katastrophenstimmung dominieren. Erwachsenwerden, so das Stück „Just in case“ des Jungen Theaters Nellie Nashorn ist ein Weg voller Krisen, in denen die bohrenden Fragen nach Identität und Sinn gestellt werden. Kein sonnenumfluteter Pfad also, sondern ganz viel Stress.

David Case (Felix Rothenbacher), der Protagonist rettet in letzter Sekunde seinen kleinen Bruder davor, aus dem Fenster zu fallen. Das „Schicksal“ hat sich eingemischt, hat gehandelt. Nur warum? Von Stund an ändert sich sein Leben,
das Spiel mit Rollen, Beziehungen, Schauplätzen beginnt. Es kreist um die Frage: Wer bin ich? Wo gehöre ich hin? Was verschafft mir Bedeutung? Bin ich das, was andere von mir denken?

Dafür hat man symbolträchtig eine Garderobe auf die Bühne katapultiert, an der verschiedenste Kostüme und Kleidungsstücke zur Verfügung stehen. Sie wird willkürlich und wild nach Bedarf eingesetzt. Abgelegte Kleider vom Leben anderer Menschen, nichts Eigenes, nichts, das wirklich etwas aussagt.

Verschiedenste Schauplätze werden inszeniert, um Brüche oder innere Kämpfe zu spiegeln, durch die sich David Case hindurch laviert. Mailand, das Modeatelier, Vernissage, Fotoausstellung oder Krankenhaus vermögen nicht, ihm Ruhe zu verschaffen oder wirkliche Antworten zu geben. Case charakterisiert sich als „Mischwesen aus Schlaflosigkeit und Kleidern“.

Immerzu rennt er im Kreis, als wäre er in einer Todesspirale gefangen. Das Geschehen ist unstet, getrieben. Wenn er Marathon laufe, vergesse er, wer er sei, und seine Panikattacken im Kopf hörten auf, sagt er. Seine unerfüllte Sehnsucht, da zu sein, wo er gerade ist.

Genial ist die Inszenierung des Flughafens, einem „Nichtort“. Schon am Eingang wird der reale Besucher des Nellie von einer Stewardess mit eingefrorenem Dauergrinsen bedient. Trügerisches Wohlgefühl. Selbst dort, im Dauerschwebeort, wird ein Absturz simuliert, bricht die brutale Wirklichkeit ein. Die Bombe im Inneren explodiert im Äußeren.


Was aber, so die bange und philosophische Frage, wenn am Ende nicht ein Knall, nur ein Wimmern bleibt?

Agnes (Tina Fritsch) wird Dave gegenübergestellt. Sie steht für den mainstream, kann nicht erleben, sondern knipst unaufhörlich Fotos - In schriller Aufmachung, immer dann parat, wenn Betäubung angesagt ist.

Neben dem imaginären Hund, der Trost bietet und im Publikum für Lacher sorgt, verirrt sich kommentierend die Figur, die für das Schicksal steht. „Kismet“ (Dorothea Lindenblatt)mischt sich süffisant, ironisch, mal bitter beißend ein: „Schicksal nimmt, Schicksal gibt!“ Die Eltern oder wechselseitige Freunde wie Peter (Lukas Löffler) und Dorothea (Maren Hätty) ergeben sich plaudernd in Hilflosigkeit. Sagenhafter Einsatz überbordendes, hingegebenes Spiel leisten die Schauspieler und muten dem Zuschauer zum Glück viel zu.

 


BZ vom 12.05.2010

Wie für sie geschrieben

"Justin Case", das neues Stück des Jungen Theaters Nellie Nashorn vor der Premiere


Von unserer Mitarbeiterin Barbara Ruda

LÖRRACH. Birgit Vaith hatte das Stück "Justin Case" schon länger mal inszenieren wollen. Jetzt war der richtige Zeitpunkt da: Zu der ältesten Gruppe des Jungen Theater Nellie Nashorn passt es nämlich, als wäre es für sie geschrieben.

Das Ensemble setzt sich zusammen aus zwei Etablierten (Lukas Löffler und Maren Hätty), zwei Theaterneulingen (Dorothea Lindenblatt und Felix Rothenbacher) und einer Spielerin irgendwo dazwischen (Tina Frisch). Weil sich die JTNN-Gruppen oft gegenseitig zuschauen, sind sie inzwischen auch untereinander zusammengewachsen, die starren Gefüge aufgeweicht. Man hilft sich aus, changiert nach oben und unten — was das Alter angeht.

Die Mischung mit den Altgedienten als guten Zugpferden hat in diesem Fall funktioniert, "weil die beiden Neuen so begabt sind", wie die Spielleiterin berichtet. Schon bei den ersten Übungen sei ihr klar geworden, dass das keine Menschen sind, die man grundsätzlich theatermäßig noch ausbilden muss. Deshalb hat man auch das relativ anspruchsvolle Stück auswählen können, und Neuling Felix bekam sogar die Titelrolle. Schon lange wollte er Theater spielen. Vom JTNN hat er nur Gutes gehört, weswegen er mit 19 Jahren endlich so mutig war, sich dort zu melden.

Dass es beim Freien Theater "Tempus fugit" seit Kurzem auch eine Youngstergruppe gibt, sieht Birgit Vaith nicht als Konkurrenz zum JTNN an. Noch nicht — man müsse die Entwicklung abwarten. Denn Lörrach, das sei nun mal Fakt, sei klein und habe nicht unendlich Leute, die ins Theater kommen.

"Was wäre wenn" heißt die mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnete Romanvorlage des neuen Stücks. Die Autorin Meg Rosoff lenkt darin mit Humor und Warmherzigkeit ihren erzählerischen Blick auf die frühe Adoleszenz und das Drama des Erwachsenwerdens und verwischt dabei kunstvoll die Phantasie mit der Wirklichkeit. Das Ensemble tut genau das auf der Bühne. Was wäre wenn wir nur einen Wimpernschlag von der Katastrophe entfernt wären wie David Case, als er seinen kleinen Bruder im letzten Augenblick vor dem Sturz aus dem Fenster retten kann. Sein Leben gerät in der Folge gehörig aus den Fugen. In der Angst, dass das Schicksal wieder zuschlagen wird, versucht er auf kindliche Weise, dem zu entfliehen. Er ändert seinen Namen, legt sich einen imaginären Hund zu und beginnt zu laufen — in der Hoffnung, schneller zu sein als die tödlichen Gefahren, die auf ihn lauern.

Das JTNN hat mit einem echten Hund geprobt, um zu sehen, wie man mit einem imaginären Hund arbeitet. Die Jugendlichen hoffen nun — das ist ja die Kunst — , dass die Zuschauer ihn auch sehen. Ansonsten arbeitet das Ensemble wie gehabt viel mit Symbolen, einem Flugzeug etwa, das so schnell ist wie Justin und abstürzt. Die Mischung zwischen Phantasie und Wirklichkeit wird übertrieben. Räume wechseln in andere Räume, indem das Schicksal ein Spiel mit den immer gleichen Kulissenteilen spielt, sie verschiebt und einrichtet. Ein Garderobenständern mit Kleidern steht bildhaft für das in eine andere Haut schlüpfen.


Aufführungen: Premiere 14. Mai, dann 15.,16.,17.,18. Mai, jeweils 20 Uhr

 

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Fotogalerie

Generalprobe am 13. Mai 2010

 

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Fotos: Thomas Quartier

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Es spielen:
 
Tina Fritsch Maren Hätty
Dorothea Lindenblatt Lukas Löffler
Felix Rothenbacher  
   
Regie Birgit Vaith
   
Licht/Soundtechnik Magdalena Vaith
Plakat/Programm/Fotos Lukas Löffler
Kinderstimme Jona Wind
   

Wir danken für die freundliche Unterstützung dem Scala Kostümverleih, Autohaus Schultheiß - Toyota und dem Landesverband Amateurtheater Baden-Württemberg

 

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Impressum

webmaster@junges-theater.eu