NELLIE NASHORN

CO PRODUKTIONEN 2010

Junges Theater Nellie Nashorn (Lörrach, D)
Môm Théâtre
(Rombas, F)

BÜRO DES HUMORS /
BUREAU DE L'HUMOUR


Regie: Nicolas Turon & Birgit Vaith

 
 
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Zum Stück

Das Büro des Humors ist eine staatliche Einrichtung, um das Lachen zu verwalten. Hier wird das Lachen auf seine Alltagstauglichkeit geprüft. Das Büro entscheidet, ob Gags, Witze, Kalauer, Situationskomik und schwarzer und kindischer Humor lustig sind und somit für die Außenwelt freigegeben werden können. Die Ereignisse der Außenwelt spitzen sich zu, die Arbeitsüberlastung steigt, neue Kollegen müssen eingestellt werden. Die Angestellten des Büros werden durch die überraschende Ankunft einer Person, die von draußen kommt, vor eine alles entscheidende Gewissensfrage gestellt.

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Presse

BZ VOM 09.03.2013

Alle Grenzen überwunden

Die Arbeit des SAK ist auch geprägt von einem regen deutsch-französischen Austausch

Von unserer Redakteurin Verena Pichler

LÖRRACH. Vor 50 Jahren brauchte es den Élysée Vertrag, um die Freundschaft zwischen Deutschland und Frankreich zu besiegeln. Dass daraus längst eine lebendige Beziehung entstanden ist, erleben Birgit Vaith vom Jungen Theater und Eric Bintz vom Sozialen Arbeitskreis in ihrer täglichen Arbeit mit Jugendlichen im Alten Wasserwerk.

1963, als der Élysée Vertrag unterzeichnet wurde, war Birgit Vaith ein kleines Kind und Eric Bintz noch nicht geboren. "Wir haben die Grenzen doch längst überwunden" , sagt Birgit Vaith. In ihrer deutsch-französischen Theatergruppe Les Hippopotames spiele die Nationalität keine Rolle. "Wir sind Europäer. Ganz einfach." Sprachbarrieren gibt es nicht und wenn, werden sie nonverbal aus dem Weg geräumt. Denn die gemeinsame Basis der jungen Schauspieler ist das Theater, mit seiner ganz eigenen Kommunikation. Auch Eric Bintz hat festgestellt, dass Jugendliche aus Deutschland und Frankreich nicht unbedingt dieselbe Sprache sprechen müssen, um sich zu verstehen. Gleichwohl seien die französischen Jugendlichen oft überrascht, wie gut die Deutschen Französisch sprechen. Das oft bemüßigte Klischee, dass Franzosen kein Deutsch lernen wollten, will Bintz darin aber nicht bestätigt sehen. "Wir sollten aufhören, alles negativ zu bewerten" , sagt er.

Klischees eigneten sich sowieso, wenn überhaupt, als Stoff für Theateraufführungen, findet Birgit Vaith. "Büro des Humors" ist so ein Stück, das sich auch damit beschäftigt, worüber man diesseits und jenseits der Landesgrenze lachen kann. Uraufgeführt wurde das Stück 2010, jetzt erlebt es anlässlich des Élysée- Jubiläums im Alten Wasserwerk ein Revival.

Seit 2005 gibt es die Gruppe Les Hippopotames, im Laufe der Zeit sind zwischen den Jugendlichen enge Freundschaften entstanden. Was auch am Probenalltag liegt. Im Vorfeld einer Inszenierung trifft sich die Gruppe vier-bis fünfmal für einige Tage in Frankreich oder Deutschland. Und machen alles gemeinsam. Schlafen, kochen, proben — das schweißt zusammen. So eng ist der Austausch, den Eric Bintz angestoßen hat, zwar nicht, aber auch sein Konzept ging auf. "Change lö Sens" heißt das Projekt, bei dem Jugendliche aus Lörrach und der französischen Partnerstadt Sens sich gegenseitig besuchen. Der Name stehe zum einen für die beiden Partnerstädte, zum anderen bedeutet "Change lö Sens" übersetzt, die Richtung zu wechseln. "Wir haben einen Band -und Breakdanceaustausch ins Leben gerufen" , erklärt Bintz. Junge Musiker und Tänzer aus Lörrach und Sens treffen sich für ein Wochenende, lernen die jeweilige Stadt kennen, proben und treten zusammen auf. Vorurteile werden schnell aus dem Weg geräumt.

Genau das, sind Eric Bintz und Birgit Vaith überzeugt, bedeutet es, den Élysée Vertrag mit Leben zu füllen: Auf einander zugehen, auch wenn das heißt, dass man erstmal seine Richtung ändern muss.

Büro des Humors: Die deutsch-französische Produktion wird am Samstag, 16.März, um 16 Uhr und um 20 Uhr im Alten Wasserwerk in Lörrach aufgeführt.


Die Oberbadische vom 9.3.2013

Theater überwindet Grenzen

Deutsch-französische Aufführung von „Bureau de L´Humour“

Lörrach (ts). Die deutsch-französische Theatergruppe "Junges Theater " Les Hippopotames" plant am 16. März zum 50-jährigen Jubiläum des Élysée-Vertrags eine Aufführung in den Räumen des SAK.

Mit der Unterzeichnung des Élysée-Vertrages 1963 änderte sich nach den militärischen Konflikten in zwei Weltkriegen vieles in der politischen Beziehung zwischen Deutschland und Frankreich. Heute steht der Vertrag vor allem für die Freundschaft beider Länder.

Aber: "Was ich heutzutage merke, ist, dass sich Deutsche und Franzosen immer noch schwer tun, Freunde zu werden", sagt Eric Binz vom Sozialen Arbeitskreis. Er entwickelte 2006 zusammen mit Jean-Phillipe Dodet das Projekt "change lö sens", bei dem Jugendgruppen beider Städte, mit dem MJC (Maison de la Jeunesse et Culture) in Sens oder mit dem SAK in Lörrach, eine Begegnung gestalten können.

"Es gibt auch heute noch zu viele Klischees, solche Grenzen haben wir in unserem Theater überwunden", erzählt Birgith Vaith, Leiterin des Jungen Theaters. "Das einfachste ist, wenn sich junge Menschen auf einer Basis begegnen, die beide Gruppen mögen", erläutert Binz.

Die Idee für die deutsch- französische Theaterzusammenarbeit entstand beim neunten internationalen Theatertreff 2005 in Lörrach. Die beiden Regisseure Nicolas Turon und Birgit Vaith waren "begeistert von der Idee ein gemeinsames Theaterstück zu entwickeln". Mit ihrem Werk "Bureau de L´Humour" (Büro des Humors), wird nun erneut ein gemeinsames Projekt aufgeführt.

"In dem Stück geht es um ein von der Außenwelt abgeschottetes Büro, das Humor auf Alltagstauglichkeit prüft. In der Außenwelt tobt währenddessen ein Krieg, durch den sich die Lage im Büro zuspitzt. Die Angestellten des Büros werden durch die Ankunft einer Person, die von draußen kommt, mit der Realität konfrontiert" , sagt Vaith.

Die gemeinsame Theatergruppe trifft sich pro Projekt für bis zu acht Tage in Deutschland oder Frankreich und übt gemeinsam. "Wir vermeiden es, Englisch zu sprechen. Es ist verblüffend, wie schnell die Jugendlichen einen Weg finden, miteinander zu kommunizieren", schildert Vaith. Das Theaterstück soll sowohl auf französisch als auch auf deutsch gezeigt werden.


BZ vom 18.10.2010

Humor ist eine ernste Sache

Das Junge Theater Nellie Nashorn und Les Hippopotames zeigen "Das Büro des Humors"

LÖRRACH. Tanz und Theater, Sprache und Rhythmus, Witz und Kritik — das alles vereint das gelungene Gemeinschaftsprojekt des Jungen Theaters Nellie Nashorn mit Les Hippopotames aus Frankreich. Kürzlich war die Premiere im Hans-Thoma-Gymnasium.

Augenscheinlich absurde Arbeit verrichten die Mitarbeiter im Büros des Humors. Aber wie kann man Humor denn auch mit Ernst angehen? Denn um den geht es schließlich, wenn dort Tag für Tag Akten über den Tisch geschoben und mit übertriebenem Eifer und viel Lärm mit Stempeln übersät werden. Übertriebene Gesten bleiben das gängige Stilmittel des Stückes; einzelne Handgriffe werden vergrößert, aufgeplustert und wirken somit noch sonderbarer.

Die Schar schwarzweiß uniformierter Beamter eilt geschäftig umher, reicht in eingespielten Gesten gewichtig Dokumente umher, vermisst, analysiert und horcht Scherzartikel ab, um schließlich abwechselnd in Französisch und Deutsch ihre Erkenntnisse zu verkünden. Diese groteske Situationskomik animiert das Publikum zu lautem Lachen. Und das, obwohl — oder gerade weil — die Angestellten des Büros ihre Aufgaben mit Professionalität und dem dazu nötigen Ernst verrichten: Synchron knöpfen sie abends die schwarzen Jacketts auf und bringen sich, um den einzigen Tisch versammelt, stehend oder auf ihm sitzend, in Schlafposition. Der Sinn ihrer Arbeit, von den jungen Akteuren als eine tänzerische Choreografie seltsamer, aneinandergereihter Tätigkeiten dargestellt, erschließt sich den Zuschauern erst im Laufe des Stückes. Man erfährt, dass die Uniformierten im Dienst des Staates Humor und alles, was dazugehört, auf seine Tauglichkeit überprüfen, bevor er offiziell zugelassen wird. Sie befolgen dabei strikte Regeln, die ihnen die Regierung vorgibt, und überwachen sich gegenseitig mit Argusaugen. Wer außerhalb der Bürozeiten lacht, oh la la, der wird gleich mehrfach (und selbstverständlich bilingue) an seine Vorgaben erinnert. Sprache wird zu einem rhythmischen Element, dass die Optik verstärkt; die Zweisprachigkeit fungiert als Echo, wenn die äußerlich schwer auseinander zu haltenden Angestellten wie Marionetten das Gesagte mehrmals in den verschiedenen Sprachen wiederholen.

Trotz der völligen Losgelöstheit von Zeit und Raum und dem vordergründig rein unterhaltsamen Charakter des Stücks klingt deutlich Sozialkritik mit: eine Anklage an die Bürokratisierung und die Verkopfung der Gesellschaft im Allgemeinen. Im Zeitalter der Lachseminare und Selbstfindungstrips sollte diese Kritik durchaus nicht auf taube Ohren stoßen.

Im Falle des "Bureau de l’humour" bietet sich letztendlich ein Ausweg aus der Absurdität. Ein Fremder, der in das von der Außenwelt abgeschirmte Büro eindringt, erzählt den Angestellten von "draußen" und öffnet für sie seinen Koffer voller Erinnerungen an eine längst vergessene Zeit. Er gemahnt sie daran, was wahre Freude ist, und überzeugt sie so schließlich, aus ihrer Isolation auszubrechen.

Dilbahar Askari


Die Oberbadische vom 13.10.10

Wann darf gelacht werden?

„Büro des Humors“ mit dem Jungen Theater Nellie Nashorn und „Les Hippopotames“

Lörrach (dr). Das aktuelle Theaterstück „Büro des Humors“ des Jungen Theater Nellie Nashorn ist so aktuell, als sei es erst vor zwei Wochen erarbeitet worden. Dabei ist die Koproduktion zusammen mit „Les Hippopotames“ aus Frankreich, die jetzt vier Mal in der Aula des Hans- Thoma-Gymnasium aufgeführt wurde, bereits ein Jahr lang vorbereitet worden.

Das Büro des Humors ist ein staatliches Ministerium, in dem das Lachen verwaltet wird. Hier wird das Lachen auf seine Alltagstauglichkeit geprüft, genehmigt oder abgelehnt. Beamte entscheiden, ob Gags, Witze, Kalauer, Situationskomik, schwarzer und kindischer Humor lustig sind und somit für die Außenwelt freigegeben werden können.

Dabei hält sich die Bürokratie mit immer neuen Mitarbeitern selbst am Leben. Zusehends verlieren sie dabei den Kontakt nach draußen zu den Menschen. Plötzlich dringt ein normaler Mensch von außen in die heile Welt der Ministerialbeamten ein. Diese erkennen mit einem Mal, dass sie gar nicht mehr wissen, wie es „draußen“ überhaupt aussieht und was die einfachen Menschen denken und fühlen. Hier liegt die Brisanz des Stückes. Ob „Stuttgart 21“ oder der Ausstieg aus dem Atomausstieg - in letzter Zeit fragen sich etliche Bürger zunehmend, ob „die da Oben“ überhaupt noch wissen, was die Menschen denken, fühlen und wollen.

Das Theaterstück wurde von den 14 Jugendlichen aus den beiden Nachbarländern komplett zweisprachig erarbeitet. Alle Sätze werden in beiden Sprachen gesprochen. Mit viel Tiefgang hatten Birgit Vaith und Nicolas Turon das Stück inszeniert. Viele Passagen wurden pantomimisch oder mit tänzerischen Elementen äußerst plastisch dargestellt.


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Fotogalerie

deutsche Premiere am 9.10.10

 

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Fotos: Silke Quartier

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Es spielen:
 
Apoline Reisch Margot Muller
Robin Verdusen Luc Guillaume
Tom Roelens Fiona Leqoeuvre
Laura Ceccarelli Caroline Specia
Julien Combelles Paula Grzesiek
Maren Hätty Mathilde Leibfried
Charlotte Oehler Kirstin Quartier
   
Regie Nicolas Turon & Birgit Vaith
Regieassistenz Petra Jeroma
   
Kulisse Jean-Christoph Roelens
Workshop Puppenspiel Yannick Toussaint
Soundeffekte Jérémie Gasmann

Wir danken für die freundliche Unterstützung dem Scala Kostümverleih, Autohaus Schultheiß - Toyota und dem Landesverband Amateurtheater Baden-Württemberg

 

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Impressum

webmaster@junges-theater.eu