NELLIE NASHORN

EIGEN PRODUKTIONEN 2010

Junges Theater Nellie Nashorn

Wo die wilden Kerle wohnen

Regie: Birgit Vaith

 
 
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Zum Stück

Eines Abends wird Max ohne Essen ins Bett geschickt, da er nur Unfug im Kopf hat... „Und plötzlich war da ein Meer mit einem Schiff, nur für Max, und er segelte davon, Tag und Nacht und wochenlang, fast ein ganzes Jahr bis zu dem Ort, wo die wilden Kerle wohnen....“ Phantasie - und humorvoll bringt das Junge Theater Nellie Nashorn den Kinderbuchklassiker von Maurice Sendak auf die Bühne.

Für Menschen ab 4 Jahren


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Presse

BZ vom 25.11.2010

Eine Abenteuerreise zu sich selbst

Junges Theater Nellie Nashorn bietet mit einer gemischten Gruppe Theater an den Adventssonntagen

Von unserer Mitarbeiterin Barbara Ruda

LÖRRACH. Bereits zum dritten Mal hintereinander hat das Junge Theater Nellie Nashorn unter Leitung von Birgit Vaith ein Vorweihnachtsstück einstudiert, heuer mit "Wo die wilden Kerle wohnen" eines, das sich schon ganz kleine Kinder (ab vier Jahre) anschauen können und dessen Stoff zeitlos ist.

Ins Blickfeld des Ensembles geraten ist die Vorlage, das mit der "Caldecott Medal" ausgezeichnete gleichnamige Bilderbuch des US-amerikanischen Kinderbuchautors Maurice Sendak, weil es darin auch um ein kleines Kind geht, nämlich Max, und weil es gefiel, dass sie nicht pädagogisch überfrachtet ist. Max wird eines Abends von der Mutter ohne Essen ins Bett geschickt, weil er nur Unfug im Kopf hat.

Was mache ich, wenn ich einen Konflikt mit den Eltern habe? Begebe ich mich vielleicht auf eine Traumreise? Das sind Fragen, die eine gemischte Gruppe des JTNN mit Paula Grzesiek, Maren Hätty, Philip Honold, Dorothea Lindenblatt, Luca Manfredi, Charlotte Oehler und Felix Rothenbacher humor- und fantasievoll auf die Bühne bringt. Weil der Autor in seinem vor beinahe 50 Jahren geschriebenen Buch nur sehr sparsam Text verwendet — in der deutschen Ausgabe gibt es bloß 14 Sätze — passt das Stück wunderbar zu dem Ensemble, das ja gerne mit vollem Körpereinsatz spielt. Es hat die Geschichte aufgepeppt und lässt die wilden Kerle als innere Protagonisten von Max viel mehr anstellen als bloß Krach zu machen.

Die jungen Spielerinnen und Spieler haben sich gemeinsam mit ihrer Regisseurin viele Gedanken über die innere Welt von kleinen Kindern gemacht, haben etwa überlegt, was für diese Mutproben sein können (Wilder-Kerl-am-Berg-spielen, Purzelbaum schlagen oder ein Mädchen küssen) und wie man das humorvoll darstellen kann. Max steigt in der Geschichte in sein Segelboot und fährt zu den Wilden Kerlen, großen Monstern, die sich von ihm zähmen lassen und ihn schließlich, nachdem er einige Mutproben bestanden hat, zu ihrem König machen. Ein Stück weit leben er und die wilden Kerle das Kindsein aus, auf der anderen Seite will Max aber auch als König ernst genommen werden. So übernimmt er immer wieder auch die Rolle der Erwachsenen und wird einsam, weil von den Erwachsenen alleine gelassen. So wird das Thema "wie wichtig sind Freunde und Beziehungen" angeschnitten. Die wilden Kerle, das erkennt der Zuschauer bald, sind keine grausamen Monster, sondern eher weiche Kuscheltiere, die Nähe symbolisieren. Das verdeutlichen mehr als 140 von ihnen, welche in allen möglichen Farben, Größen und Gattungen die Bühne übersäen.

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Der Sonntag • 28. November 2010

Erst wild, dann ganz zahm

Mit „Wo die wilden Kerle wohnen“, bringt das Junge Theater Nellie Nashorn einen eigenwilligen Kinderbuchklassiker auf die Bühne.
Doch wie setzt man ein Stück um, das im Original mit gerademal 333 Wörtern auskommt?


JULIA JACOB

Aufräumen hat bislang noch keinem Kind Spaß gemacht, und so erstaunt es nicht, dass Regisseurin Birgit Vaith den Bühnenraum im aktuellen Kinderstück in ein Meer aus Kuscheltieren verwandelt hat.

Der Konflikt mit der Mutter ist bei diesem Chaos quasi vorprogrammiert, dem jungen Max bleibt nur die Flucht in die Phantasie, eine imaginäre Reise in das Land „Wo die wilden Kerle wohnen“. Wer das Bilderbuch aus der Feder von US- Erfolgsautor Maurice Sendak kennt, wird sich wohl an die wüsten Gestalten erinnern, die diese Paralellwelt bevölkern.

Auf die Erstveröffentlichung des Buches 1963 folgte unweigerlich der Aufschrei von Kritikern und Eltern, die die Bilderwelten als zu grausam für den Nachwuchs einstuften. Durchgesetzt hat sich das Werk dennoch. Sendak selbst kommentierte den Erfolg mit den Worten: „Das Buch ist nicht darauf angelegt, es jedem recht zumachen – nur Kindern.“

Dass die zähnefletschenden Ungetüme, die das Werk bevölkern in den prüden 60er Jahren ein echter Schocker war, will man gerne glauben, doch längst ist das Buch zum Klassiker avanciert, wurde 1985 als Oper inszeniert und von Spike Jonze 2009 in die Kinos gebracht, der die wilden Bilderwelten zum Kassenschlagermachte.

In Birgit Vaiths Inszenierung schließlich kommen die wilden Kerle eigentlich ganz sympathisch rüber. Angst muss hier niemand haben. Herausgearbeitet wurden vielmehr die komisch- grotesken Züge der Rasselbande, die Max mit reichlich Gebrüll zu immer neuen Mutproben animiert. Entschärft wird das Stück mit Sicherheit auch durch die gutmütig dreinblickenden Plüschmaskottchen, die den Bühnenraum bewohnen.


Die Botschaft dahinter könnte wohl lauten: Auch wilde Kreaturen wollen mal gestreichelt werden. Der Fokus liegt somit ganz klar auf dem Konflikt zwischen Mutter und Sohn und so gerät das Phantasiestück irgendwie auch zum Lehrstück, wobei diese Qualität implizit wohl jedem guten Kinderbuch zugrunde liegt. Der so festgelegte Handlungsverlauf mit Happy-End-Garantie ergibt sich auch aus der Notwendigkeit, das fast wortlose Original mit Dialogen auszustatten und Themen wie Freundschaft und Selbstbewusstsein in Wort und Gestik zu übersetzen. „Wir wollen nicht den moralischen Zeigefinger bemühen“, sagt die Regisseurin Birgit Vaith über ihr Stück. Dass ausgerechnet im vergangenen Jahr die Verfilmung in die Kinos kam und dem bis dato ein wenig in Vergessenheit geratenen Stoff so zu neuer Präsenz verholfen wurde, machte es ihr nicht unbedingt leichter, die passende Bühnensprache zu finden.

Und so ist das Stück trotz festgelegter Rahmenhandlung relativ offen angelegt. Die jungen Darsteller haben den Figuren ihre eigene Sprache verliehen . Die „wilden Kerle“ sind von heute und haben wenig mit den romantischen Zeichnungen Sendaks gemein. „Ich würde nicht von einer zeitgemäßen Inszenierung sprechen, der Stoff für sich genommen ist zeitlos“, erklärte die Regisseurin bei der Generalprobe ihre Vision. Der Klassiker lässt viel Raum für Kreativität, viele Szenen entstanden beim Improvisieren, überzeugen durch Situationskomik und eine intuitive Herangehensweise. Vor allem aber machen sie einfach Spaß.
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Die Oberbadische vom 1.12.10

Vom einsamen König

Junges Theater Nellie Nashorn spielt „Wo die wilden Kerle wohnen“

Lörrach (geb). Das Junge Theater überzeugte am Sonntag bei der Premiere von „Wo die wilden Kerle wohnen“.

Max spielt allein im Zimmer. Unzählige Plüschtiere türmen sich neben ihm auf. Spielen heißt für Max, die Plüschtiere aufzureißen, das Futter aufzufressen und die Tiere dann nach hinten zu werfen. Das langweilt. Er bittet seine Mutter, mit ihm Indianer zu spielen, aber sie muss in der Küche arbeiten. Er soll zum Abendessen kommen, mag aber nicht. „Geh ins Bett und zwar ohne Essen!“ , sagt seine Mutter. Er entflieht in eine Phantasiewelt und geht auf weite Fahrt.

Dort begegnet er wilden Kerlen, und nun geht es richtig los: Deren Auftritt gestaltet sich mit unbändiger Lust, überschäumender Spielfreude und kräftigem Mutterwitz. Sie nehmen den Angeber Max auf den Arm, umtänzeln, foppen ihn und gehen ihm herzhaft ans Leder. Aber Max kann sich nicht recht auf das Miteinander einlassen, er will König sein. Gut, sagen die wilden Kerle, aber du musst Mutproben bestehen.

Max soll fliegen können, Schlangen essen, mit Elefanten tanzen. Sie lassen ihn Bestimmer sein, er darf sagen, wann Krach gemacht und was gespielt wird. Tiefe Fragen, freche Witze, zärtliche Umarmungen, Tanz und miteinander Toben folgen.

Das Junge Theater unter der Regie von Birgit Vaith legt sich voll ins Zeug und liefert hervorragendes und leidenschaftliches Schauspiel. „Du bist gar kein König! Du bist nur ein Junge im Wolfspelz!“, sagen sie am Ende zu Max. Und das Tolle: Sie haben ihn auch gern, wenn er gar kein König ist. Aber Max weiß, dass er er noch eine weite Reise vor sich hat, bevor er das genießen kann.

Ein herrliches Stück und gar nicht ausschließlich Nachmittagsunterhaltung für kulturinteressierte Mamas und ihre Töchter. Sondern auch für kleine und große Kerls. Für alle, die Freundschaft wichtig finden und daran erinnert werden müssen. Oder für die, die müde sind vom Königsein und lieber mit Freunden statt mit Untertanen unterwegs sind.

 

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Fotogalerie

Generalprobe am 27.11.10

 

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Fotos: Dr. Martin Schulte-Kellinghaus

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Es spielen:
 
Paula Grzesiek Maren Hätty
Philip Honold Dorothea Lindenblatt
Luca Manfredi Charlotte Oehler
Felix Rothenbacher  
   
Regie Birgit Vaith
   
Lichttechnik Florian Porsche
Kostüme Madlen Honold
Plakat/Programm Andrea Schaller
Drum und Dran Ensemble
   

Wir danken für die freundliche Unterstützung dem Scala Kostümverleih, Autohaus Schultheiß - Toyota und dem Landesverband Amateurtheater Baden-Württemberg

 

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Impressum

webmaster@junges-theater.eu