NELLIE NASHORN

EIGEN PRODUKTIONEN 2011

Junges Theater Nellie Nashorn

Gloria von Jaxtberg
frei nach Rudolf Herfurtner


Regie: Birgit Vaith

 

 
 
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Zum Stück

Gloria von Jaxtberg ist ungewöhnlich schön. Schöner als die anderen Schweine. Und damit fangen die Probleme an. Gloria träumt von einer freien, glücklichen Schweinewelt. Damit macht sie sich ebenso unbeliebt wie mit ihren goldenen Locken, auf die sie so stolz ist: „Das deutsche weiße Edelschwein ist rein und klar wie Edelstein. Die Borsten sind ganz kurz und grad, kein Schnickschnack."

Gloria träumt von einem wilden Helden, der so ganz anders ist als ihre Stallgenossen, denen Ordnung, Disziplin und Hierarchie das Wichtigste ist.

Mit viel schwarzem Humor bringt das Junge Theater Nellie Nashorn eine skurrile Geschichte von Rassismus im Schweinepferch und Hoffnung auf das große Glück auf die Bühne.

Gloria von Jaxtberg ist eine komische wie anrührende Liebesgeschichte.

 

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Presse

 
BZ vom 30.06.2011

Das Gegenteil von Wurst

Junges Theater Nellie Nashorn feiert umjubelte Premiere von "Gloria von Jaxtberg"

Von unserer Mitarbeiterin Barbara Ruda

LÖRRACH. Für Maren Hätty und Philip Honold ist "Gloria von Jaxtberg" das sage und schreibe 16. Stück mit dem Jungen Theaters Nellie Nashorn — und wohl auch das letzte. Nach der Premiere des Stücks mit Tiefgang gab es am Dienstagabend für das älteste Ensemble verdientermaßen noch einmal minutenlange Ovationen.

Die Preisfrage des Abends lautete: Aus wie vielen Zuschauern sind im Laufe des "blutigen" Stücks wohl Vegetarier geworden?

Man weiß es nicht so genau, zumindest zuckte manche Hand zurück, die am Ausgang gerade ein dargebotenes Häppchen ergreifen wollte. Wienerle — die sind doch vom Schwein, oder? Das JTNN verwandelte für diese ideenreiche Inszenierung unter Leitung von Birgit Vaith nämlich die Bühne in einen einzigen Saustall. In den vorderen Reihen bekam man das bald zu spüren, wenn kräftig mit Wasser gespritzt oder mit angebissenen Äpfeln oder Nüssen geworfen wurde.

Gloria (Maren Hätty) ist ein Schwein, ein besonders schönes sogar — mit Kringellöckchen. Aber anstatt das "Frau Rauschgoldengel" dafür bewundert wird, gerät sie mitten unter weißen, kurze Borsten tragenden, deutschen Edelschweinen, die keine abartigen Schweine unter sich dulden, in die Außenseiterrolle. Im Schweinestall herrscht eine feste Ordnung und Hierarchie. "Die Schweine, die nicht gleich sind, die machen wir gleich" , sagt Anführer Gerhard (Philip Honold), und Mitläufer Gregor (Dorothea Lindenblatt) plappert es ihm wie alles unreflektiert nach und endet wie jedes Mal mit dem hohlen Schnörkel "Gell?" .

Schweine sind auch nur Menschen. In diesem Theaterstück wie auch in berühmten anderen — "Animal Farm" lässt grüßen — dienen sie dazu, ganz menschliche und politische Fragen aufzuwerfen und zu hinterfragen. In diesem Fall wird bitterböse mit dem allgegenwärtigen Phänomen des Rassismus und seiner Stechschritt-Ideologie abgerechnet. Das Ensemble konnte seine in vielen Jahren ausprobierten Inszenierungsmöglichkeiten noch einmal voll auskosten und visuelles Theater und Texte gut miteinander vereinen. Mit Bildern, einem kargen Bühnenbild und teilweise kalter Beleuchtung gelang es hervorragend, etwa den Schlachthof und die Einsamkeit, die dort herrscht, darzustellen.

Im Laufe der Erarbeitung des Stoffs hat das JTNN noch zwei Schweinekinder in die Geschichte eingebaut (Hanna Sieper und Luca Manfredi), welche die Erwachsenen imitieren — entweder in Form einer Persiflage, um grausame Bilder humorvoll zu brechen, oder in Metaphern. "Gloria von Jaxtberg" bedient viele Schichten.

Es steckt auch eine skurrile Liebesgeschichte darin, denn Glorias Traum vom großen Glück erfüllt sich noch — Wildschweinkeiler Rodriguez (Felix Rothenbacher) sei dank, der sie in letzter Sekunde von der Schlachtbank rettet. Denn das Gegenteil von Wurst ist Liebe.


Die Oberbadische vom 30.6.11

Schweinereien im Theater

Skurrile Geschichte um Rassismus und Neid im Nellie Nashorn

Lörrach (lu). Schwarzer Humor, gepaart mit Tiefgang und ab und an eine kleine Schweinerei: Das ist die Mischung, auf die Birgit Vaith bei ihrem neusten Stück „Gloria von Jaxtberg“ setzt. Die Regisseurin des Jungen Theaters des Nellie Nashorn hat diese skurrile Geschichte von Rassismus und Neid im Schweinepferch bewusst ihren beiden Akteuren Philip Honold und Maren Hätty gewidmet, wie sie in ihrer kurzen Ansprache bei der Premiere am Dienstagabend betonte.

Nach 16 verschiedenen Theaterstücken werden die Beiden dem bestens eingespielten Ensemble künftig nicht mehr zur Verfügung stehen. Für Birgit Vaith gilt es daher in Zukunft, um die verbleibenden Nachwuchsschauspieler Hanna Sieper und Luca Manfredi ein neues schlag- und zugkräftiges Team zu formen.

Das Stück „Gloria von Jaxtberg“, eine Art Mini- Schweineoper mit Humor und Hintersinn, spielt im Tierreich, das sich ja – „Animal Farm“ von George Orwell lässt grüßen - bekannterweise für Kritik an menschlichen Schwächen, hier Rassismus, und Aufklärung mit dem Zeigefinger besonders gut eignet.

Während es durch perfektes Theaterspiel vergnüglich anzusehen ist und den einen oder anderen Jauchzer im Publikum hervorruft, ist es eigentlich eine Metapher für Rassismus, die sich da auf der Bühne abspielt.

Schwein „Gloria“ ist ein wenig naiv, aber etwas Besonderes. Statt glatter Borsten hat sie nämlich goldbraune Locken. Doch wo viel Schönheit ist, ist auch der Neid nicht fern. Auf den trifft sie in Gestalt ihres fiesen Cousins „Gerhard“ und seiner Mitläuferschweine.

Doch Gloria weiß: Eines Tages wird ihr Märchenprinz kommen und sie zum glücklichsten Schwein der Welt machen. Zunächst einmal aus der Wärme des Stalles vertrieben, träumt sie von einem Prinzen, der sie mit sich nimmt. Doch wie der aussieht, das weiß sie nicht so recht, und so gerät sie um Schweineborstenbreite in die Fänge des Metzgers. Da taucht in letzter Sekunde Wildschweinkeiler Rodrigo auf... und die Geschichte geht gut aus, weil ja „das Gegenteil von Wurst Liebe ist“, wie es zum Schluss des Stückes heißt.

Weitere Aufführungen von „Gloria von Jaxtberg“ im Nellie gibt es am Mittwoch und Donnerstag, 6./7. Juli, jeweils um 20 Uhr.


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Fotogalerie

 

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Fotos: Dr. Martin Schulte-Kellinghaus
 

Es spielen:

 
Philip Honold Maren Hätty
Dorothea Lindenblatt Felix Rothenbacher
Luca Manfredi Hanna Sieper
   
Regie Birgit Vaith
Musik Luca Manfredi
Lichttechnik Florian Porsche
künstlerische Gestaltung Plakat Maren Hätty
Plakat/Programm Andrea Schaller
Fotos Dr. Martin Schulte-Kellinghaus
Video Thomas Quartier
   

Wir danken für die freundliche Unterstützung dem Scala Kostümverleih, Autohaus Schultheiß - Toyota und dem Landesverband Amateurtheater Baden-Württemberg

 

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Impressum

webmaster@junges-theater.eu